Donnerstag, 30. Juni 2016

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Neuwagenkauf per Internet Neues Online-Trauma der Autohändler

Paar beim Neuwagenhändler: Solche Szenen könnten in Zukunft seltener werden - jüngere Kunden können sich auch den Neuwagenkauf via Internet vorstellen

Nach den Rabattportalen droht Deutschlands Autohäusern die nächste Angriffswelle aus dem Netz: BMW und Mercedes testen den Onlineverkauf von Neuwagen, das Handelsportal mobile.de plant gar den großen Aufschlag. Gegenwehr gibt es kaum - denn viele Händler stehen schwach da.

Hamburg - Bei Deutschlands BMW- und Mercedeshändlern ist die sommerliche Ruhe derzeit dahin. Statt jahreszeittypisch mit Grillfesten, Kaltgetränken und heißen Preisen Kunden zu ködern, sorgt ein Thema für hitzige Diskussionen: Die Branche hat Angst davor, beim Verkauf von Neuwagen per Internet künftig außen vor gelassen zu werden - und grundlos ist diese Sorge nicht.

Vor Kurzem sickerten BMWs Vertriebsideen für das Elektroauto i3 durch - samt Plänen, den Elektroflitzer auch künftig direkt via Internet zu verkaufen. Und das soll erst der Anfang sein: BMW kann sich auch den Online-Direktverkauf weiterer Neuwagenmodelle vorstellen. Die Konkurrenz von Mercedes hat offenbar ähnliche Pläne in der Schublade.

Nun fürchten Deutschlands Autohändler, dabei unter die Räder zu geraten. Denn obwohl die Hersteller betonen, dass sie den Handel nicht schwächen wollen, sind viele Autohäuser nicht gerade ideale Partner für die schnelllebige Onlinewelt: Für das Internet-Zeitalter sind viele Händler schlecht gerüstet, bislang fehlen schlagkräftige Rezepte gegen neue Onlinekonkurrenten.

Fachleute prophezeien der Branche nicht nur deshalb eine massive Bereinigung in den kommenden Jahren. Der Neuwagenverkauf via Internet könnte diesen Wandel noch beschleunigen. Während die Autohändler lamentieren und über ein gemeinsames Vorgehen brüten, bereitet die Online-Plattform mobile.de den großen Einstieg ins Online-Neuwagengeschäft vor. BMW Börsen-Chart zeigen und Mercedes trauen ihren selbstständigen Händlern offenbar nicht zu, da mitzuhalten - und basteln an eigenen Online-Vertriebskonzepten.

Als erster Hersteller wagt sich nun BMW in Richtung Online-Direktverkauf vor. Mit dem Elektroauto i3, das gestern offiziell vorgestellt wurde, gehen die Bayern auch im Vertrieb neue Wegen: Weil die Kaufbereitschaft für das 35.000 Euro teure Fahrzeug noch unklar ist, tragen die Bayern erstmals selbst das Verkaufsrisiko. Ausgesuchte Händler verkaufen das Fahrzeug auf Rechnung von BMW und erhalten vom Autohersteller Honorare für Beratung, Service und Reparaturen.

Nur Audi sagt nein zum eigenen Onlinehandel

Von Anfang an wollen die Bayern ihren i3 auch direkt über das Internet anbieten - im eigenen Onlineshop. Und das soll erst der Anfang sein. BMWs Deutschland-Vertriebschef Roland Krüger sagte der WirtschaftsWoche, dass der Verkauf via Internet künftig bei allen Modellen ergänzend eingesetzt werden könne. Im Klartext: BMW dürfte selbst in den Autoverkauf einsteigen - wenn auch vorerst in überschaubarem Umfang.

Die Bayern bleiben damit nicht alleine: Auch Mercedes will Ende dieses Jahres einen eigenen Onlineverkauf mit vorkonfigurierten Modellen starten. Abgewickelt werden die Verkäufe zunächst nur über die Niederlassungen in Hamburg und Warschau, das Angebot ist anfangs auf wenige Baureihen beschränkt.

Die Auslieferung der Autos erfolgt über lokale Händler. Daimler betont, dass die bestehenden Händler "selbstverständlich" in diesen Prozess eingebunden bleiben. Mit hohen Internet-Verkaufszahlen rechnet Mercedes aber erstmal nicht. Dafür hofft die Sternmarke, per Internet auch jüngere Kunden zu erreichen. Denn die machen um Mercedes-Neuwagen nach wie vor einen großen Bogen.

Nur Audi Börsen-Chart zeigen verzichtet als einziger unter Deutschlands Premiumherstellern auf einen eigenen Onlinevertrieb, berichtete das Fachmagazin kfz-betrieb vor kurzem. Dafür wollen die Ingolstädter den Händlern helfen, ihre Internetpräsenzen aufzumöbeln.

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