Mittwoch, 25. Mai 2016

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Volkswagen mit neuer Strategie am Genfer Autosalon Digital statt Diesel - so will VW die Krise hinter sich lassen

Genfer Autosalon 2016: Diese Neuheiten sind salonfähig
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Maserati

Anderthalb Stunden Marketing-Show auf riesiger Bühne, vierrädrige Highlights von zwölf Marken, zur Auflockerung Tanzeinlagen und Kurzvideos: Bis vor wenigen Monaten zählte solcher Bombast zum Messe-Standardprogramm bei Volkswagen. Im Vorfeld der großen Automessen zog Volkswagen verlässlich eine Riesen-Show für 2000 geladene Gäste ab - zuletzt bei der Frankfurter IAA im vergangenen September.

Doch die Zeiten des VW-Messebarocks sind vorüber, wie Konzernchef Matthias Müller mit einem viel bescheideneren Auftritt vor dem Start der Genfer Automesse zeigen wollte. Loft statt Riesenhalle, nur mehr 500 Gäste, zwei kurze Reden statt 12 Präsentationen der jeweiligen Konzernmarken-Chefs, und ein Totalverzicht auf röhrende Autos auf der Bühne: Seinen Konzernabend in der Schweiz hat Müller eine radikale Abspeckkur verpasst.

Die neue, ostentative Bescheidenheit hat viel symbolischen Charakter: Sie soll zeigen, dass Müller bei dem Konzern eine Kehrtwende vornimmt. Deshalb präsentierte Müller auch nicht wie sonst bei VW üblich die automobilen Highlights vorab, sondern blickte in die nicht allzu ferne Zukunft. Und in der setzt Volkswagen den neuen Ankündigungen zufolge zum großen digitalen Überholmanöver an. Bei autonom fahrenden Autos will Volkswagen schneller sein als die Konkurrenz, bei der Vernetzung besser. Bis 2025 soll der Konzern nicht weniger als der führende Mobilitätsanbieter werden.

Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Denn gerade bei der Entwicklung von neuen Mobilitätsformen fährt der Konzern bislang eher im Mittelfeld. So bietet die Kernmarke VW noch ein überschaubares Angebot an Apps für ihre Infotainment-Systeme an. Ihr Car-Sharing Programm Quicar, das ausschließlich in Hannover verfügbar war, haben die Wolfsburger vor kurzem eingestellt.

Großer Auftritt für VWs Digital-Zampano

Nur die Nobeltochter Audi liegt im Wettrennen um selbstfahrende Autos weit vorne. Doch von der VW-Konzernspitze gab es bisher kaum konkrete Ansagen, wann etwa die Technik für automatisierte Autobahnfahrten von Fahrzeugen konzernweit verfügbar sein wird. Renault, General Motors und Toyota haben öffentlich erklärt, dass sie im Jahr 2020 so weit sein werden.

Das dürfte auch der Volkswagen-Konzern schaffen, nur stand dieses Ziel für die Massenmarken des Konzerns bisher nicht im Vordergrund. Das will Müller nun ändern - und dafür hat er sich auch einen neuen Mann mit viel Silicon-Valley-Erfahrung an Bord geholt: Seit November 2015 ist der 42-jährige Johann Jungwirth offiziell für den digitalen Wandel im Konzern zuständig, er berichtet direkt an Müller.

Seither hat man nur wenig gehört von dem Manager, der fünf Jahre lang Daimlers Forschungszentrum im Silicon Valley leitete und ein Jahr lang für Apple arbeitete. Doch in Genf hatte Jungwirth nun seinen ersten großen Auftritt - er sprach direkt nach Müller über die Veränderungen, die Volkswagen an vorderster Front mitgestalten will.

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