Donnerstag, 28. Juli 2016

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Daimlers Ärger mit der Taxibranche Warum Daimler sein Taxi-Geschäft aufs Spiel setzt

Daimler-Herrschaft am Taxistand: Doch der Autobauer gerät wegen seiner digitalen Unternehmungen in die Kritik

Taxi = Daimler. Diese Gleichung galt über Jahrzehnte auf deutschen Straßen. Die deutschen Taxifahrer und den Stuttgarter Autobauer verband eine lange und enge Zusammenarbeit: Die Taxifahrer sorgten dafür, dass gepflegte, neue Daimler-Modelle für Millionen von Kunden als Taxi - gewissermaßen für stetige Testfahrten - zur Verfügung standen. Und sie waren treue Kunden.

Der Stuttgarter Autobauer revanchierte sich, indem er auf die Bedürfnisse der Taxifahrer einging. Zum Beispiel die Wagen mit extra strapazierfähigen Federungen und Türen ausstattete, attraktive Garantieprogramme oder Rabattangebote für die Taxi-Branche entwickelte. Und für sie besonders langlebige Batterien einbaute, die sicherstellten, dass die Fahrer beim Warten in der Taxi-Schlange trotz Funknutzung nicht ins Frieren gerieten.

So war das damals. Man schätzte sich, tauschte sich aus - und "wusste was man aneinander hatte", wie es ein Branchenkenner ausdrückt.

Entsprechend hoch war und ist bis heute die Zahl der Daimler, die auf deutschen Straßen als Taxen unterwegs sind. Von den rund 90.000 Taxis sind Schätzungen zufolge 50 bis 60 Prozent Daimler-Modelle - allen voran Mercedes E-Klassen.

Doch seit einiger Zeit ist in der Beziehung zwischen Daimler und der Taxibranche einiges in Aufruhr geraten. Schuld daran ist Daimlers Engagement beim Taxi-App-Betreiber Mytaxi. Einer App, über die Kunden per Smartphone Taxen rufen und Fahrer sich Kunden vermitteln lassen können. Seit 2014 ist das Unternehmen zu 100 Prozent im Besitz der Stuttgarter, die mit der App Kunden für ihre Mobilitätangebote an sich binden wollen.

Daimler steht unter Zugzwang. Die Automobilwelt, wie sie jahrzehntelang Bestand hatte, wandelt sich rasend schnell. Der durchschnittliche Neuwagenkäufer in Deutschland ist mittlerweile 53 Jahre alt. Statt selbst Autos zu kaufen, wollen viele, vor allem junge Menschen in den Metropolen, diese nur noch punktuell nutzen. Allerortens wird an selbstfahrenden Wagen gebastelt, die - einmal auf den Straßen - den Fahrzeugbedarf massiv reduzieren dürften. Künftig, so Mobilitäts-Experten, könnten sich rein rechnerisch 15 Menschen ein Auto teilen.

Kein Wunder also, dass Daimler wie auch jeder andere Automobilkonzern schaut, wie er in der schönen neuen digital-autonomen Sharing-Welt überlebt und für Kunden relevant bleibt.

Neben Mietwagenangeboten wie Car2Go und die Mobilitätsplattform moovel setzt Daimler dabei ebenso auf Mytaxi."Es gibt Dinge, die man machen muss, um im Spiel zu bleiben", fasst ein Daimler-Manager die Entscheidung zusammen, in die digitale Taxivermittlung einzusteigen.

Für jede vermittelte Fahrt müssen Taxifahrer 7 Prozent ihres Umsatzes an Mytaxi abtreten. Deutlich weniger als Fahrer für den Fahrdienstvermittler Uber. Und zudem nach deutschem Gesetz legal.

Ein Auktionsmodell, mit dem Mytaxi vor einiger Zeit die Wartezeit für Kunden in traditionell schwachen Zeiten beschleunigen wollte, stampfte der App-Betreiber nach massiven Fahrerprotesten wieder ein.

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