Samstag, 18. November 2017

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Deutschland fällt zurück, NPE-Chef Kagermann warnt 1 Million Elektroautos bis 2020 - ist das nur noch Utopie?

Index Elektromobilität: Deutschland fällt zurück
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Roland Berger, mm.de

Eine Million sollen es sein. Eine Million Autos auf deutschen Straßen, wiederaufladbar an der Steckdose, gespeist aus Batterie statt Benzintank. Und das schon 2020. So hat es sich die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) 2010 als Ziel gesetzt, so hat es die Autoindustrie der ebenfalls an der NPE beteiligten Bundesregierung versprochen. Doch das Angebot an Elektroautos ist weiter bescheiden, die Nachfrage ebenfalls; und so scheint die Vision in den kommenden fünf Jahren kaum erreichbar.

Wie schwer es wird, belegen die in einer Hochlaufkurve festgelegten Zwischenziele der NPE bis 2020, die manager magazin online vorliegen. Und in die gleiche Richtung deutet auch die neueste Fassung des von manager magazin exklusiv veröffentlichen Index Elektromobilität der Strategieberatung Roland Berger.

GRAFIK Index Elektromobilität / Die verflixte Million
manager magazin online
GRAFIK Index Elektromobilität / Die verflixte Million
Der NPE-Kurve zufolge hätten 2014 bereits rund 50.000 Elektromobile in Deutschland verkauft werden sollen, und schon im laufenden Jahr sollen es sogar 90.000 werden. Tatsächlich neu zugelassen wurden 2014 allerdings gerade 13 000. Der Hochlaufkurve zufolge hätten Ende des vergangenen Jahres etwa 100 000 Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollen. Die Realität ist ernüchternd: 29.000.

Kagermann warnt vor Scheitern - und fordert Anreize für Elektroautos

"Das 1-Million-Ziel ist bis 2020 noch zu erreichen", sagte zwar der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann manager magazin online. Doch er schickte eine Warnung nach: "Voraussetzung sind allerdings zusätzliche monetäre und nicht-monetäre Anreize". Kagermann fordert unter anderem "private und öffentliche Beschaffungsinitiativen" sowie schnellere Abschreibungsmöglichkeiten für elektrisch angetriebene Firmenwagen.

Außerdem sollten " Investitionspartnerschaften zum Aufbau öffentlich zugänglicher Ladesäulen den Ausbau der Ladeinfrastruktur stärken". Das am 1. Februar in Kraft getretene Gesetz zur Förderung der Elektromobilität betrachtet Kagermann als "wichtigen Schritt", der zügig umgesetzt werden" werden solle. Das Gesetz wird in der Autobranche allgemein als unzureichend angesehen.

Der bislang niedrige Absatz von Elektroautos steht im Widerspruch zur Überzeugung zahlreicher Automanager, die mittelfristig eine gewaltige Elektro-Offensive erwarten und zum Teil auch antreiben. BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg etwa sagte manager magazin in einem aktuellen Interview, er rechne spätestens 2023 mit 10 Millionen verkauften Elektroautos pro Jahr.

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