Donnerstag, 21. März 2019

Abgasskandal Politik verdonnert Mercedes zu Massen-Rückruf

Zum Rapport: Daimler-Chef Dieter Zetsche musste Ende Mai bei Verkehrsminister Scheuer (CSU) in Berlin Rechenschaft ablegen. Jetzt werden viele seiner Modelle in die Werkstätten beordert.

Mercedes steht vor einem Riesenrückruf wegen Abgasmanipulationen: Vom Familienauto über Dienstwagen bis zum SUV.

Wütend hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Mai dieses Jahres Daimlers Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche nach Berlin zitiert. Scheuers Beamte vom Kraftfahrt-Bundesamt hatten bei zahlreichen Mercedes-Modellen festgestellt, dass ganz offensichtlich an der Abgasreinigung manipuliert worden war.

Deshalb platzte dem Bayern der Kragen: Zetsche müsse ihm alle Diesel melden, die unerlaubte Mengen giftigen Stickoxids in die Luft blasen. Denn der Druck auf Scheuer wird immer größer, hart durchzugreifen, je mehr Dieselfahrern in deutschen Städten Fahrverbote drohen. Der Daimler-Boss lieferte, und jetzt kann der Minister Vollzug melden. Doch die Liste, die dabei entstanden ist, gerät für Zetsche zum Debakel.

Denn die Abgasmanipulationen ziehen sich durch beinahe alle Klassen und Typen - und manche werden bis heute verkauft. Das geht aus einer Liste des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Darauf stehen 24 Modelle, bei denen das Amt Ende Juli einen amtlichen Rückruf angeordnet hat.

Das sind die betroffenen Mercedes-Modelle, der Rückruf gilt bei vielen Fahrzeugen nur für einen bestimmten Produktionszeitraum:

Bei der C-Klasse geht es sowohl um das kleinste Diesel-Modell mit Renault-Motor als auch um den C300 Hybrid, der mit einem Mercedes-Motor angetrieben wird. In der E-Klasse sind diverse Modelle, darunter auch aus der aktuellen Baureihe, mit Unregelmäßigkeiten aufgefallen, in der luxuriösen S-Klasse sogar die als besonders umweltfreundlich beworbene Variante mit Hybrid-Motor. Dazu kommt die G-Klasse, mehrere Geländewagen wie der ML, GLE und GLC sowie das Sportcoupé CLS und der Roadster SLK.

Im Transporter-Segment ruft Daimler den Vito, die V-Klasse und den Sprinter in die Werkstätten. Dabei müssen per Softwareupdate sogenannte Abschalteinrichtungen entfernt werden, die dafür sorgen, dass der Wagen im realen Straßengeschehen einen höheren Ausstoß von Stickoxiden hat als im Labor.

Insgesamt sind 700.000 Autos in Europa betroffen, davon 280.000 in Deutschland. Ein Daimler-Sprecher erklärte auf Anfrage, es handele sich bei der Maßnahme um den Rückruf, der in zwei öffentlich bekannten Terminen zwischen dem Bundesverkehrsministerium, dem KBA und Daimler Gesprächsgegenstand war. Man werde Widerspruch einlegen, aber auch Software-Updates entwickeln und die Kunden informieren, sobald diese genehmigt sind.

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