Mittwoch, 25. Mai 2016

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"Gesetze falsch interpretiert" VW-Chef Müller blamiert sich bei Interview mit US-Radiosender

Manager unter Strom: Volkswagen-Chef Matthias Müller findet in den USA nicht die richtigen Antworten

Dass die Reise von Volkswagen-Chef Matthias Müller in die USA kein leichter Gang sein würde, war von vorn herein klar. Steht der Wolfsburger Autokonzern in Amerika angesichts des Abgasskandals doch besonders stark in der Kritik. Also haben sich Müller und seine Berater auf bohrende Fragen von Analysten, Politikern und Journalisten vorbereitet.

Doch offenbar sind sie dabei nicht akribisch genug vorgegangen. Ein Interview mit dem Radiosender NPR lief derart schief, dass Müllers Leute die Reporter bitten mussten, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. Und es ging nicht nur um ein paar Versprecher - vielmehr versuchte Müller zunächst, den Skandal zu verharmlosen.

"Wir haben nicht gelogen", sagte Müller dem verdutzten NPR-Reporter am Rande der Detroiter Automesse ins Gesicht. Volkswagen habe lediglich die US-Gesetze "falsch interpretiert". Zudem handele es sich bei der ganzen Sache um ein technisches, kein ethisches Problem.

Der VW-Abgasskandal um manipulierte Dieselmotoren und geschönte Abgaswerte - plötzlich alles nur ein Missverständnis?

Müller hinterlässt desaströsen Eindruck in den USA

Desaströser kann der Eindruck kaum sein, den Müller in den USA hinterlässt. Hatten die US-Ermittlungsbehörden Volkswagen doch bereits vorgeworfen, nicht ausreichend zu kooperieren und den Skandal klein zu reden. Angesichts des Interviews wirkt Müllers offizielle Entschuldigung, um die er kurz zuvor bat, beinahe wertlos. Und das alles kurz vor dem Treffen mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy am Mittwoch.

Und so waren Müllers Berater mit dem Auftritt des Chefs offensichtlich extrem unglücklich. Nachdem bereits ein Teil des Interviews ausgestrahlt worden war, bat Volkswagen NPR, das Gespräch zu wiederholen.

Während der Neuauflage entschuldigte sich Müller für seinen ersten Auftritt vorm Mikrofon. Es sei für ihn in der Situation sehr schwierig gewesen die richtigen Worte zu finden, weil es um ihn herum sehr laut gewesen sei.

Doch auch im zweiten Anlauf lief es nicht völlig rund. Volkswagen "akzeptiere den Gesetzesverstoß voll und ganz", gab Müller kryptisch zu Protokoll. Jedenfalls arbeite das Management "Tag und Nacht, um Lösungen zu finden". Es gehe nicht nur um technische Lösungen. "Es ist viel Arbeit für die Rechtsabteilung und auch für die Presseabteilung."

Dafür hat Müller in diesem Fall höchstpersönlich gesorgt. Und erneut den Verdacht geweckt, dass er den Abgasskandal in seiner Dimension noch immer nicht richtig verstanden hat.

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