Sonntag, 24. März 2019

Jobprofil - das muss Winterkorns Nachfolger leisten Weltkonzern-Retter dringend gesucht

Neuer VW-Chef: Diese Männer haben Chancen auf die Winterkorn-Nachfolge
DPA

Wer wird künftig den Volkswagen-Konzern führen? Diese Frage, die bereits vor einigen Monaten diskutiert worden war, stellt sich nun erneut, und das unter deutlich verschärften Umständen.

Schon im April sah es so aus, als könnte Europas größter Autobauer einen neuen Chef brauchen. Seinerzeit hatte VW-Patriarch Ferdinand Piëch den Stab über Martin Winterkorn gebrochen ("Bin auf Distanz zu Winterkorn"). Den anschließenden Machtkampf entschied der Topmanager jedoch für sich.

Ein Triumph, der nicht lange währte. Am Mittwochnachmittag erklärte der 68-jährige Winterkorn seinen Rücktritt von der Konzernspitze. Er übernehme die Verantwortung für die Abgas-Manipulationen in den USA, auch wenn er sich selber keines Fehlverhaltens bewusst sei, so Winterkorn in einer Erklärung.

Nun also die Frage: Wer folgt auf Winterkorn? Als Top-Kandidat wurde bereits vor dem Rücktritt Porsche-Chef Matthias Müller gehandelt. Der gelernte Werkzeugmacher, der viele Jahre bei Audi gearbeitet hat, kann beim Stuttgarter Sportwagenbauer ansehnliche Erfolge vorweisen. Schon im April kursierten zudem aber auch andere Kandidatennamen, wie beispielsweise Winfried Vahland, Chef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Herbert Diess, seit kurzem Markenvorstand für VW, oder Rupert Stadler, seit 2007 an der Spitze des sportlichen VW-Ablegers Audi.

Klar ist: Derjenige, der das Rennen macht, wird vor einer wahren Herkulesaufgabe stehen. Denn zu den Baustellen, auf denen Volkswagen Börsen-Chart zeigen bereits seit längerem zu arbeiten hat, ist in diesen Tagen noch ein gewaltiges Problem hinzu gekommen. Ein Problem, das den Konzern vermutlich über Jahre begleiten und Milliarden kosten wird.

Die Stellenbeschreibung für den Spitzenjob lautet daher in Kurzform etwa so: Volkswagen benötigt einen Topmanager, der

  • die Mammutaufgabe bewältigt, die Aufklärung der Abgasaffäre voranzutreiben, mit den US-Behörden eine möglichst glimpfliche Strafe zu verhandeln sowie - am wichtigsten - das dramatisch beschädigte Ansehen des Konzerns in der Öffentlichkeit allmählich wiederherzustellen. Der Imageschaden, den VW in diesen Tagen erleidet, droht die Geschäfte signifikant zu beeinträchtigen, wie nicht zuletzt auch die Gewinnwarnung erkennen lässt, die das Unternehmen am Dienstag herausgab.
  • Der Abgasskandal spielt sich ausgerechnet auf dem US-Markt ab, auf dem Volkswagen seit Jahren schwächelt. Das Geschäft in den USA ist also ohnehin eine Baustelle, die den künftigen Konzernchef in Anspruch nehmen wird.
  • In China schwächelt das Wirtschaftswachstum, was die Autoverkäufe dort zurückgehen lässt. Für Volkswagen war die Volksrepublik in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Absatzmarkt avanciert - entsprechend gilt es nun in Fernost zu kämpfen.
  • Für Kritik sorgt regelmäßig die geringe Rendite, die Volkswagen in der Kernmarke VW erzielt. Ein Grund: Die hohe Qualität, die das Unternehmen für seine Fahrzeuge in Anspruch nimmt, verursacht Kosten, denen nicht ausreichend Erlöse gegenüber stehen. Der bisherige Konzernchef Winterkorn hatte deshalb ein fünf Milliarden Euro schweres Sparprogramm für VW angestoßen. Sein Nachfolger wird dafür sorgen müssen, dass es auch Erfolge zeitigt.
  • Um die Produktion effizienter zu machen, hat Volkswagen den sogenannten modularen Querbaukasten (MQB) entwickelt. Weil das Prinzip aber bislang noch nicht wirklich funktioniert, wird auch an dieser Stelle das Topmanagement weiter gefordert sein.
  • Ohnehin gelten die Führungsstrukturen bei Volkswagen, wo der Konzernchef bisher vieles in den eigenen Händen hatte, als veraltet. Der künftige Volkswagen-Chef sollte auch mit diesem Zentralismus aufräumen.

Kurzum: Weltkonzern-Retter dringend gesucht. Die gute Nachricht lautet allerdings: Der Posten an der Spitze des Konzerns bringt nicht nur Unannehmlichkeiten mit sich. Noch am Dienstag etwa betonte Volkswagen-Chef Winterkorn in seiner Video-Botschaft an die Öffentlichkeit die Qualität des Teams aus weltweit 600.000 Volkswagen-Mitarbeitern, die mit "viel Einsatz und großer, echter Aufrichtigkeit" Tag für Tag "harte und ehrliche Arbeit" leisten.

Zudem dürfte die Bezahlung für einiges entschädigen. Volkswagen-Chef Winterkorn erhielt nach Angaben der Unternehmensberatung hkp Group für das Jahr 2014 ein Salär von rund 16 Millionen Euro - so viel wie kein anderer Chef eines Dax-Konzerns.

Die Kandidaten im Überblick: Diese Männer könnten Volkswagen-Chef werden

Christoph Rottwilm auf Twitter

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