Dienstag, 26. Juli 2016

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Kurzzeit-Automiete Weshalb Carsharing plötzlich so gut ankommt

Carsharing: Die wichtigsten Anbieter in Deutschland
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BMW

Lieber leihen statt besitzen: Was bei Nachbarn auf Dauer für Ärger sorgt, funktioniert bei der Kurzzeit-Automiete bestens. Denn die Zahl der Carsharing-Kunden steigt steil an. Noch sind die Umsätze mickrig. Doch das Geschäft ist für Autohersteller aus anderen Gründen spannend.

Hamburg - Eigentlich ist die Grundidee des Carsharing bestechend simpel: Mehrere Personen teilen sich ein Auto, das erhöht die Auslastung und senkt die Kosten für jeden einzelnen. In vielen Familien und in der Nachbarschaft funktioniert dieses Modell bereits seit Jahrzehnten. Doch im kommerziellen Maßstab war das Autoteilen viele Jahre eher etwas für die Birkenstock-Fraktion unter den Städtern.

Wer auf Carsharing setzte, musste bis vor kurzem prinzipienfest und mobilitätstechnisch hartgesotten sein. Feste Abhol- und Rückgabeplätze, monatliche Fixkosten, dazu noch umständliche Tarifkombinationen - Carsharing war vielleicht ökologisch korrekt, aber alles andere als cool und einfach.

Das hat sich in den letzten zwei Jahren geändert: In Berlin, München, Hamburg oder Köln kurven täglich hunderte auffällig bemalte Autos durch die Straßen, meist mit jüngeren Fahrern hinter dem Lenkrad. Die Autos stehen mitten im Stadtgebiet auf ganz normalen Parkplätzen, reservieren lassen sie sich binnen Sekunden via Smartphone. Monatliche Kosten gibt es bei Anbietern wie Car2Go oder DriveNow erst gar nicht. Stattdessen zahlen die Nutzer pro Fahrminute - und müssen sich weder ums Tanken noch um die Pflege der Fahrzeuge selbst kümmern.

Noch sind die Umsätze der Carsharing-Anbieter relativ klein. Doch das Geschäft mit der Kurzzeitvermietung von Autos könnte in wenigen Jahren ein Milliardenmarkt werden. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung AlixPartners, die manager magazin online vorliegt.

Jährlicher Kundenzuwachs von 44 Prozent bis 2020

In Europa soll die Zahl der Carsharing-Nutzer von 0,8 Millionen im Jahr 2012 auf 15 Millionen im Jahr 2020 steigen, haben die Unternehmensberater ermittelt. Das ist eine jährliche Zuwachsrate von 44 Prozent. Die Zahl der Carsharing-Autos wird sich im selben Zeitraum mehr als verzehnfachen von 22.000 auf rund 240.000.

Gerade junge Menschen in Europas dicht besiedelten Großstädten sind die idealen Kunden für die Carsharing-Anbieter. Denn das Angebot an Parkplätzen ist knapp - und für Garagenplätze werden oft hundert Euro und mehr pro Monat fällig. "Jüngere Menschen besonders in den Ballungsräumen lieben die Flexibilität und wollen sich oftmals nicht mehr daran binden, ein Auto zu besitzen", sagt Elmar Kades, Managing Director bei AlixPartners.

Doch das bisherige Geschäftsmodell der Autohersteller basiert nun mal auf Besitz. Mit dem Verleihen von Autos haben die großen Hersteller teils jahrzehntelang experimentiert, doch die meisten haben ihre Anteile an Mietwagenunternehmen verkauft.

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