Donnerstag, 21. März 2019

Schwache Autoindustrie Kuka baut nach Umsatz- und Gewinneinbruch Stellen ab

Kuka-Roboter bei Ford in Köln im Einsatz: Die Autoindustrie schwächelt, das bekommt Kuka zu spüren

Die Krise der Automobilindustrie macht auch vor dem Augsburger Roboterhersteller Kuka nicht halt. Das von Chinesen gekaufte Unternehmen korrigierte am späten Donnerstagabend seine Prognose für das abgelaufene Jahr erneut. Jetzt will Kuka Stellen abbauen - trotz Beschäftigungsgarantie.

Nach dem abrupten Ende seiner Erfolgssträhne hat der Augsburger Roboterhersteller Kuka ein Sparprogramm und einen Stellenabbau beschlossen. Das abgelaufene Jahr sei mit einem Umsatzrückgang um fast 10 Prozent auf etwa 3,2 (2017: 3,5) Milliarden Euro noch schlechter gelaufen als im Herbst gedacht, teilte das Unternehmen am späten Donnerstagabend mit. Kuka galt lange als das Aushängeschild der deutschen Roboterbranche und war vor zwei Jahren in chinesische Hände geraten.

Der operative Gewinn brach noch stärker ein. Auch die für 2020 geplanten Ziele seien damit unrealistisch. Der Vorstand um Interims-Chef Petre Mohnen will deshalb 300 Millionen Euro einsparen, zum Teil noch in diesem Jahr. "Das Effizienzprogramm wird auch Personalmaßnahmen umfassen", teilte Kuka mit.

Die vollständigen Zahlen für 2018 und einen Ausblick auf das gerade angelaufene Jahr will Kuka am 28. März veröffentlichen. Anleger zeigten sich entsetzt. Der Kurs der Aktie von Kuka Börsen-Chart zeigen rauschte in einer ersten Reaktion auf der Handelsplattform Tradegate um 10 Prozent in die Tiefe.

Der chinesische Hausgerätehersteller Midea hatte Kuka bei der Übernahme umfassende Beschäftigungsgarantien bis 2023 für die 14.000 Mitarbeiter gegeben. "Langfristig sichert uns jedoch vor allem unsere Performance. Um diese zu stärken, handeln wir frühzeitig", sagte Mohne. Das sei auch im Interesse der Belegschaft.


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Die vollständigen Zahlen für 2018 und einen Ausblick auf das gerade angelaufene Jahr will Kuka am 28. März veröffentlichen. Anleger zeigten sich entsetzt. Der Kurs der Aktie von Kuka Börsen-Chart zeigen rauschte in einer ersten Reaktion auf der Handelsplattform Tradegate um zehn Prozent in die Tiefe.

Gespart werden soll vor allem in Zentralbereichen wie der Verwaltung, dem Einkauf, dem Vertrieb und dem Projektmanagement. Zudem sollen die Produktion und die Produktpalette in China um kleinere und einfachere Roboter erweitert werden.

Nachfrage in China eingebrochen, Ziele für 2020 sind Makulatur

Der Einbruch der Nachfrage in China ist laut Kuka ein Grund für die zweite Korrektur der Gewinn- und Umsatzprognose seit Oktober. Dort seien die Wachstumsraten so gering wie seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr. Auch die Konjunktur in der Automobil- und Elektronikindustrie, mit der Kuka die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet, habe sich im vierten Quartal noch stärker abgekühlt. Hinzu kamen Fehlschläge im Projektgeschäft.

Die Umsatzrendite vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigte Ebit-Marge) sank daher im vergangene Jahr auf 3,0 (4,3) Prozent. Das entspricht einem bereinigten Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von knapp 100 Millionen Euro. Eigentlich hatte Kuka die Rendite 2018 auf 5,5 Prozent nach oben schrauben und den Umsatz steigern wollen.


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Im November musste der langjährige Vorstandschef Till Reuter gehen, der vor zwei Jahren den Verkauf von Kuka an Midea vorangetrieben hatte. Die Ziele, die er Kuka für 2020 gesetzt hatte, sind nun Makulatur: Weder ein Umsatz zwischen 4,0 und 4,5 Milliarden sei im nächsten Jahr erreichbar noch eine operative Umsatzrendite von 7,5 Prozent, erklärte das Unternehmen.

Der Verkauf an die Chinesen hatte eine hitzige Debatte über Investoren aus dem Reich der Mitte in Deutschland angeheizt. Die Bundesregierung will bei solchen Übernahmen künftig über eine Neuregelung des Außenwirtschaftsgesetzes stärker mitreden. Sie will einen Einstieg von Käufern außerhalb der EU bei Firmen aus sicherheitsrelevanten Branchen künftig schon prüfen, wenn sie zehn Prozent der Anteile übernehmen. Bisher liegt die Schwelle bei 25 Prozent. Kritiker befürchten durch das Engagement der Chinesen einen Abfluss von Technologie-Know-how.

rei/Reuters/dpa

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