Dienstag, 19. März 2019

Elektroauto-Pionier Tesla verliert seinen Überflieger-Nimbus

Tesla-Chef Elon Musk: "Dass es uns unmöglich war, die Produktion schnell genug zu steigern, ist eine berechtigte Kritik an Tesla"

Der Elektroautopionier Tesla präsentiert sich gerne als Autohersteller völlig neuen Zuschnitts. Doch nun schlagen sich die Kalifornier mit zwei typischen Branchenproblemen herum. Das kratzt am Bild des Überfliegers.

Hamburg - Ein neues Modell startet um ein Vierteljahr später, die Absatzprognose in diesem Jahr wird knapp verfehlt: Wenn große Autokonzerne solche Eingeständnisse machen müssen, ziehen sie sich üblicherweise den Ärger ihrer Investoren zu.

Bei dem kalifornischen Elektroauto-Pionier Tesla Motors ist das anders. Gestern Abend nach US-Börsenschluss legte das Unternehmen seine Quartalszahlen vor. Obwohl Tesla-Chef Elon Musk dabei gleich zwei Probleme eingestehen musste, hat die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen dazugewonnen: In den USA ging es seit Börsenstart um fast sieben Prozent nach oben.

Das Charisma von Musk macht die Hürden, vor denen Tesla derzeit steht, offenbar mehr als wett. Zum einen wird Tesla in diesem Jahr nur 33.000 Autos des Typs Model S ausliefern können, 2000 Stück weniger als bislang prognostiziert. Zum anderen verzögert sich der Marktstart des Elektro-SUVs Model X um ein Vierteljahr auf das dritte Quartal 2015.

Die beiden Eingeständnisse zeigen, dass der Börsenliebling Tesla langsam in der Normalität der Autobranche ankommt - auch wenn Musk viel dafür tut, sein Unternehmen als Autohersteller neuen Zuschnitts zu präsentieren.

Tesla hatte keine Nachfrage-, sondern ein Produktionsproblem

Dabei wechselte er bei der Erklärung der Quartalszahlen geschickt zwischen Erklärungen und weiteren Versprechungen. Schuld an der gesenkten Absatzprognose seien Produktionsprobleme, erklärte Musk in einem Brief an die Investoren. Im Juli hat Tesla seine Fabrik in Fremont geschlossen, um eine größere Fertigungsstraße in Betrieb zu nehmen. Das Hochfahren habe allerdings länger gedauert - wodurch rund 2000 Fahrzeuge weniger hergestellt wurden als ursprünglich geplant.

"Dass es uns unmöglich war, die Produktion schnell genug zu steigern und nicht etwa mangelnde Nachfrage schuld war, ist eine berechtigte Kritik an Tesla", erklärte Musk in dem Brief. Dennoch werde der jährliche Ausstoß in diesem Jahr um 50 Prozent steigen, im Jahr 2015 ebenfalls - und wahrscheinlich noch in mehreren Folgejahren. Solche Steigerungsraten seien "ungewöhnlich" in der Autoindustrie, schrieb Musk in dem Brief.

Doch Musk hatte für Analysten und Investoren eine Beruhigungspille in petto: Die Nachfrage nach seinen Elektroflitzern sei nach wie vor stark, sagte er, die gesamte Jahresproduktion bereits verkauft. Wer jetzt ein Model S bestelle, müsse sich bis 2016 gedulden.

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