Donnerstag, 26. Mai 2016

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Li-Tec-Fabrik schließt Ende 2015 Aus für Batteriezellenwerk zeigt Daimlers Elektro-Misere

Gebäude von Li-Tec in Kamenz: Ab Ende 2015 werden hier keine Batteriezellen mehr produziert

Daimler schließt seine Batteriezellen-Fabrik und kapituliert damit ein Stück vor der Zukunft. Beim Thema Elektromobilität ist Daimler zwar überall dabei - aber nirgends richtig weit vorne. Erzkonkurrent BMW zeigt dagegen, wie eine klare Strategie aussieht.

Hamburg - Die Zellen von Li-Tec seien sehr gut, ihre Produktion aber wegen zu geringer Stückzahlen viel zu teuer: Mit diesen betriebswirtschaftlich einleuchtenden Worten erklärte Daimlers Elektromobilitäts-Chef Harald Kröger das Aus für die Daimler-Tochter im sächsischen Kamenz. Im Dezember 2015 soll Li-Tec die Produktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen beenden.

Damit schließt die einzige Fabrik in Deutschland, die Lithium-Ionen-Zellen für Elektroautos im industriellen Maßstab herstellt. Für Daimler fällt damit ein Verlustgeschäft weg - und ein Stück jener Technik-Vorreiterrolle, die die Stuttgarter sonst so gerne für sich reklamieren. Denn bei Alternativen zum klassischen Verbrennungsmotor fehlt Daimler eine klare Strategie. Überall dabei, doch nirgendwo ganz vorn - das scheint die Devise der Schwaben bei Elektroantrieben zu sein. Erzkonkurrent BMW hat die bessere Stromer-Story zu erzählen, VW seine Versprechen bei alternativen Antrieben verlässlicher eingelöst.

Der finale Kurzschluss für das Daimler-Batteriewerk hat sich schon seit Monaten abgezeichnet. Bereits Ende Mai berichtete manager magazin über Daimlers Pläne, die Zellproduktion spätestens 2016 auslaufen zu lassen. Dabei hatte Daimler damals noch erklärt, dass bei Li-Tec alles nach Plan laufe und man an einem Konzept für die künftige Aufstellung arbeite. Bloß: Neue Abnehmer oder Produktionspartner suchte Daimler Börsen-Chart zeigen damals schon seit langem.

Doch keiner wollte die technisch hochwertigen, aber teuren Zellen aus Kamenz beziehen. Daimlers Kooperationspartner Renault kauft den Grundbestandteil für seine Elektroauto-Akkus lieber in Asien als in Sachsen - wie auch Volkswagen und Audi. BMW bezieht die Batteriezellen für den i3 aus Korea. Selbst Daimler wollte sich trotz aller Beschwörungen über die hervorragende Qualität seiner Zellen nicht voll auf seine Kamenzer Batteriefabrik verlassen. Denn eingesetzt werden die Zellen aus Sachsen ausschließlich in der Elektroversion des Stadtflitzers Smart.

Erzkonkurrent BMW hat die bessere Elektroauto-Story

Die Elektro-Version der B-Klasse und die Plugin-Hybridversion von Mercedes Aushängeschild S-Klasse haben Akkus an Bord, deren Zellen aus Asien stammen. Erstaunlich ist das schon, zumal Mercedes bis 2017 zehn Modelle mit Plugin-Hybridantrieben elektrifizieren will.

Man muss den Stuttgartern immerhin zugute halten, dass sie es anders als ihre deutschen Konkurrenten mit einer eigenen Zellproduktion in Deutschland probiert haben.

Doch eine schlüssige Strategie für Elektroautos lässt sich bei den Stuttgartern nur schwer ausmachen. Bisher Daimler einen Kleinst- und einen Kompaktwagen mit reinem Elektroantrieb ausgestattet. Die S-Klasse gibt es bereits mit Plugin-Hybridantrieb, der allerdings nur für 30 Kilometer reinen Elektrobetrieb ausgelegt ist. In den kommenden Jahren wird es bei Mercedes mehr Plugin-Hybride, aber kein wirklich spektakuläres neues E-Auto geben. Da kommt man schon mal ins Grübeln, welche Position Mercedes bei Elektroantrieben wirklich einnehmen will - und was davon technisch wirklich wegweisend ist.

Erzkonkurrent BMW Börsen-Chart zeigen hat sich da ganz anders positioniert. Die Münchener haben ihren i3 von Anfang an als eigenständiges Modell konzipiert und auf eine Karbonkarosserie gesetzt. Das war teuer, der Werkstoff ist in Großserie schwer zu beherrschen. Doch das Auto hat BMW den Ruf eingebracht, eine Revolution im Automobilbau zu wagen. Die Bayern haben für die kommenden Jahre eine spannende Geschichte zu erzählen - und sie haben sich viel klarer als die Stuttgarter positioniert. Denn der i3 und sein Sportwagen-Hybridverwandter i8 werden wohl kaum die einizigen stromgetriebenen Modelle von BMW bleiben.

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