Donnerstag, 26. Mai 2016

Knorr-Bremse-Patriarch verhilft Ex-Bosch-Manager zu Comeback Milliardär Thiele holt Familienfremden als Nachfolger

Der Alte (Heinz Hermann Thiele, rechts) und der Neue (Bernd Bohr): Selfmade-Milliardär Thiele gibt seinen Chefaufseher-Posten bei Knorr-Bremse auf.
dpa; Bloomberg via Getty Images
Der Alte (Heinz Hermann Thiele, rechts) und der Neue (Bernd Bohr): Selfmade-Milliardär Thiele gibt seinen Chefaufseher-Posten bei Knorr-Bremse auf.

Seinen schrittweisen Rückzug ins Privatleben hat Heinz Hermann Thiele (74) schon oft angekündigt. Noch im vergangenen Sommer sagte der Hauptgesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzende der Münchner Knorr-Bremse, er wolle künftig nur noch 40 Stunden pro Woche arbeiten statt 70 und sich mehr um die Familie kümmern.

Geglaubt hat ihm das niemand so recht. Wann immer irgendwo ein Problem auftauchte, sei es bei Knorr-Bremse oder beim Bahntechnikspezialisten Vossloh im sauerländischen Werdohl, wo er ebenfalls beteiligt ist und das Kontrollgremium leitet, war Thiele stets zur Stelle.

Doch nun macht der Selfmade-Milliardär tatsächlich ernst und gibt seinen Posten als Chefkontrolleur bei Knorr-Bremse in jüngere, prominente Hände. Im März 2016 gibt er nach Informationen von manager-magazin.de sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender beim Weltmarktführer für Zug- und Lkw-Bremssysteme auf, auch aus dem Beraterkreis scheidet er aus. Nachfolger wird Bernd Bohr (59), der bis 2013 den Bereich Kraftfahrzeugtechnik beim Automobilzulieferer Bosch leitete.

Thiele hat vor rund 30 Jahren die marode Knorr-Bremse übernommen und sie zu einem hoch profitablen Konzern ausgebaut. Das Unternehmen ist heute schätzungsweise neun Milliarden Euro wert; es beschäftigt rund 25 000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2014 steigerte Knorr-Bremse den Umsatz um 21 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Sein Amt beim börsennotierten Vossloh-Konzern - dort hält Thiele mittlerweile knapp 41 Prozent der Anteile hält - will der Jurist behalten. Daneben möchte sich der Vielreisende intensiver um seine sonstigen Besitzungen kümmern, etwa um die Rinderzucht in Uruguay mit 8500 Tieren oder um seine Wildfarm und eine Plantage in Südafrika.

Mit einem geschätzten Vermögen von 9,5 Milliarden Euro liegt Thiele auf Platz sieben der reichsten Deutschen. In seinem Büro in der Münchner Zentrale von Knorr-Bremse wird Thiele künftig seltener zu sehen sein, ganz loslassen kann er bestimmt nicht. "Ich genieße den Erfolg", sagte Thiele vor einigen Monaten, "aber ich kann mich nicht einfach hinsetzen und aufs Wasser schauen. Immer wenn etwas gut gelaufen ist, frage ich mich: Was machst Du als Nächstes?"

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