Sonntag, 9. Dezember 2018

EU-Parlament will strenge CO2-Vorgaben für Lkw Lkw-Bauer liegen mit EU bei Abgasregeln kräftig über Kreuz

LKW-Parkplatz an der Autobahn-Raststätte Michendorf in Brandenburg

"Völlig unrealistisch" seien die vorgeschlagenen CO2-Grenzwerte, wetterte VWs Nutzfahrzeugspartenchef Andreas Renschler vorab. Zigtausende Arbeitsplätze würde das gefährden, sekundierten die Betriebsratschefs von Daimler und MAN. Die geplanten Strafzahlungen könnten "selbst große Nutzfahrzeughersteller in ihrer Existenz bedrohen", warnte VDA-Autoverbandschef Bernhard Mattes noch kurz vor der Entscheidung.

Genutzt haben die heftigen Vorab-Proteste nichts. Denn das Europaparlament sprach sich am Mittwoch für eine kräftige Drosselung der CO2-Emissionen von schweren Lkw und Bussen in den kommenden Jahren aus. Die Parlamentarier wollen, dass die Lkw-Hersteller den durchschnittlichen Kohlendioxidausstoß bis 2025 um 20 Prozent senken gegenüber dem Wert von 2019.

Bis 2030 sollen es dann mindestens 35 Prozent gegenüber dem Flottenausstoß des Jahres 2019 sein. Und noch etwas fordern die Abgeordneten: Sie wollen auch verbindliche Verkaufsquoten für Lkw mit alternativen Antrieben.

Damit haben die Abgeordneten die Vorschläge der EU-Kommission verschärft: Die Brüsseler Behörde hatte eine CO2-Senkung um 15 Prozent bis 2025 und mindestens 30 Prozent bis 2030 vorgeschlagen. Endgültig festgelegt werden sollen die Werte nach Vorschlag der EU-Kommission erst 2022, wenn technische Fortschritte besser absehbar sind. Noch ist der Vorschlag des EU-Parlaments nicht beschlossene Sache. Denn nach dem Abgeordnetenvotum sind nun erst einmal die Regierungen der EU-Staaten am Zug. Bei den CO2-Vorgaben für Pkw haben sie die Parlamentsvorschläge noch etwas abgemildert.

VDA hält schon ein Drittel des Reduktionsziels für "äußerst anspruchsvoll"

Doch die Lkw-Branche ist schon jetzt in Aufruhr - denn sie hält selbst die milderen Vorschläge der EU-Kommission für unerfüllbar. Für die Branche sind verbindliche Reduktionsziele ein Novum. Mit der erstmaligen Vorgabe von CO2-Flottenzielen für die Nutzfahrzeugbranche will die EU verhindern, dass die CO2-Emissionen der Branche weiter steigen. Der Lkw-Verkehr steht für fünf bis sechs Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes in Europa. Laut EU-Kommission ist der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 in der Lkw-Branche aber heute um 19 Prozent höher als 1990, weil immer mehr Waren auf der Straße transportiert werden.

Das bestreitet auch die Lkw-Branche nicht. Allerdings argumentiert sie, dass die Entwicklung sparsamerer und damit emissionsärmerer Motoren ohnedies in ihrem eigenen Interesse ist. Denn der geringere Treibstoffverbrauch ist für die Spediteure ein klarer Wettbewerbsvorteil. Im Durchschnitt, so argumentieren der Autoverband VDA, sank der Verbrauch bei schweren Lkw jedes Jahr um rund ein Prozent. Bis 2025 ist aus Sicht der europäischen Hersteller eine CO2-Reduktion von 7 Prozent machbar, bis 2030 um 16 Prozent. Das wäre um 50 Prozent mehr pro Jahr als bisher und damit "äußerst anspruchsvoll, aber zumindest realistisch", erklärte VDA-Präsident Bernhard Mattes.

Die Vorstellungen der Branche und die Vorschläge der EU liegen also weit auseinander. Ein besonderer Dorn im Auge sind der Trucker-Branche vorgesehene Strafzahlungen von 5000 Euro für jedes überschrittene Gramm. Das könnte für einzelne große Nutzfahrzeughersteller, die über 50.000 Fahrzeuge pro Jahr herstellen, zu Zahlungen in Milliardenhöhe führen - und damit zur "Existenzbedrohung werden", wettert der VDA.

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