Montag, 30. Mai 2016

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Elektroauto-Rebell Karabag "Unser Elektroauto-Konzept ist billiger als ein konventioneller Pkw"

Unternehmer Sirri Karabag mit einem E-Käfer: "Unser Zusammenspiel aus Elektroauto und Solaranlage ist heute schon billiger als ein herkömmlicher Neuwagen samt Stromkauf beim Versorger"

Seit Jahren fordert der Fiat-Händler Sirri Karabag Deutschlands Autoriesen mit seinen Eigenbau-Elektroautos heraus. Nun holt sich der Hamburger Branchenrebell einen Energieversorger an Bord. Was er damit bezweckt - und wie er so die Energiewende erleichtern will.

mm: Herr Karabag, seit Jahren rüstet Ihr Unternehmen in Eigenregie herkömmliche Fahrzeuge zu Elektroautos um. In Vergleichstests kommen ihre Elektroautos gut weg, sie fordern damit die großen deutschen Automobilhersteller heraus. Jetzt kauft der kommunale Energieversorger Wemag 70 Prozent ihrer Elektroauto-Sparte. Haben Sie genug von der Rebellen-Rolle?

Karabag: Ganz im Gegenteil, wir haben jetzt richtig Blut geleckt. Das Thema Elektroauto geht deutlich über die reine Mobilität hinaus, wir reden dabei auch über die künftige Energiepolitik. Denn Elektroautos sind zur jetzigen Zeit das einzige bezahlbare Mittel, um die Energiewende in den Griff zu bekommen.

mm: Wieso das?

Karabag: Meine Autos sind rollende Nachtspeicheröfen, ihre Batterien lassen sich doppelt nutzen. Zum einen kann ich den Strom aus dem Akku für Autofahrten nutzen. Zum anderen kann ich aber auch überschüssige Energie darin speichern, die ich etwa mit einer Solaranlage erzeuge. Meine Elektroautos haben zwar nur einen Speicher von 11 Kilowattstunden. Doch das ist jene Strommenge, die ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt am Tag verbraucht. Als Puffer reicht eine Elektroautobatterie also aus. Abends nach Sonnenuntergang kann ich aus dem Autoakku Strom abzapfen. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird die Batterie wieder nachgeladen. Innerhalb von fünf Stunden ist sie vollständig aufgeladen.

mm: Ihr Unternehmen, an dem sie zu 30 Prozent beteiligt bleiben, soll also künftig nicht nur Elektroautos herstellen - sondern wagt sich auch noch an eines der schwierigsten Probleme der Energiewende heran, nämlich das Speichern von Ökostrom?

Karabag: Unser gemeinsames Konzept sieht vor, möglichst viele Dächer mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten. Den durch die Solaranlagen erzeugten Strom behalten wir innerhalb des Kontextes von Haus und Auto. Das Haus muss intelligent genug sein, um ein Elektroauto als Speicher zu erkennen und den Strom nicht nur zu speichern, sondern bei Bedarf auch in das Haus-Stromnetz zu leiten. Die dafür notwendige Steuerung haben wir bereits entwickelt. Hausbesitzer müssen den von ihnen erzeugten überschüssigen Ökostrom nicht mehr billig an die Energieerzeuger verkaufen - sondern können ihn behalten. Und er ist auch noch mehr wert, weil er im Elektroauto quasi das Benzin ersetzt.

mm: Batterien zum Speichern von Solarstrom bieten Photovoltaik-Hersteller schon länger an. Welchen Vorteil hat ein Energiespeicher auf vier Rädern?

Karabag: Unser Zusammenspiel von Elektroauto und Solaranlage ist rechnerisch heute schon billiger als ein konventionelles Auto und der Stromkauf bei einem herkömmlichen Energieversorger - und das ohne Förderungen. Unsere Elektroautos kosten rund 20.000 Euro. Doch wir bieten die Fahrzeuge als Leasingmodell gemeinsam mit einer Photovoltaikanlage an. Inklusive Strom für das Haus und 1000 Fahrkilometer pro Monat zahlt ein Vierpersonenhaushalt bei uns monatlich 450 Euro. Wenn Sie sich ein neues Auto anschaffen, jeden Monat Benzin und Versicherung dafür bezahlen und den Strom vom Versorger kaufen, kommen sie mit dieser Summe nicht aus. Wir frieren die Stromkosten heute ein, und grün ist es auch noch.

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