Dienstag, 24. April 2018

Autobauer umschifft Razzien-Fragen und gibt positiven Ausblick BMW will Gewinn trotz hoher E-Auto-Investitionen halten

BMW-Chef Harald Krüger

"Es bleibt dabei: Es handelt sich um eine fehlerhafte Software-Zuordnung und keinen Manipulationsversuch". Mit diesem kurzen Satz ging BMW-Konzernsprecher Maximilian Schöberl am Mittwoch gleich zu Beginn der Bilanzpressekonferenz auf das heikle Thema ein: Der Verdacht der Staatsanwälte nämlich, dass auch BMW Abgaswerte manipuliert haben könnte.

Die Staatsanwaltschaft München hatte am Vortag die Zentrale, das Forschungszentrum und ein Werk im österreichischen Steyr durchsuchen lassen. BMW bezeichnete den Einbau einer Software zum Abschalten der Diesel-Abgasreinigung als "Versehen". Man nehme das sehr ernst und arbeite vollumfänglich mit den Behörden zusammen, versicherte Schöberl. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir dazu nichts Weiteres sagen können", erklärte der Sprecher noch vor den Ausführungen von BMW-Chef Harald Krüger und Finanzvorstand Nicolas Peter. Doch das klappte nicht so ganz.

Zunächst konnten die BMW-Vorstände ein mehr als solides Zahlenwerk vorstellen, das im Kern bereits Anfang März veröffentlicht worden war. Trotz steigender Ausgaben für Elektroautos will BMW seinen Gewinn zumindest halten. Im Jahr 2017 erwirtschaftete BMW ein Rekordergebnis von 10,7 Milliarden Euro vor Steuern, soviel soll es in diesem Jahr auch werden.

"2018 soll unser neuntes Rekordjahr werden. Das ist mein Ehrgeiz", sagte Krüger in München mit Blick auf Verkaufszahlen und Vorsteuergewinn. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) will BMW in diesem Jahr auf rund sieben Milliarden Euro schrauben. Bereits 2017 hatte BMW mit 6,1 Milliarden Euro fast eine Milliarde mehr für autonomes Fahren und die E-Mobilität ausgegeben.

Razzien: "Das spezifische Problem Prüfstand sehen wir nicht"

Auch in den nächsten beiden Jahren werde die F&E-Quote überdurchschnittlich ausfallen, wenn auch nicht mehr so hoch wie 2018. In diesem Jahr sollen mindestens 140.000 Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge von BMW vom Band rollen, 2017 waren es 103.000. Insgesamt verkaufte der Konzern im vergangenen Jahr 2,46 Millionen Autos, 4,1 Prozent mehr als 2016. In diesem Jahr sollen Absatz und Umsatz (2017: 98,7 Milliarden Euro) leicht steigen.

Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) im Kerngeschäft mit Autos will BMW Börsen-Chart zeigen zwischen acht und zehn Prozent halten. Im vergangenen Jahr war sie mit 8,9 Prozent stabil. Die Aktionäre bekommen ihren Anteil an den guten Zahlen in Form einer höheren Dividende zu spüren: Pro Stammaktie will BMW 4 Euro Dividende ausschütten, je Vorzugsaktie 4,02 Euro. "Die BMW Group will den technologischen Wandel anführen", gibt Krüger die Marschrichtung für die kommenden Jahre vor. "Unsere Zukunft ist eindeutig elektrisch". An der Börse kamen die Prognosen zum laufenden Jahr gut an: Gegen Mittag standen die BMW-Aktie Börsen-Chart zeigen mit einem Kursplus von 0,81 Prozent auf 86,69 Euro auf einem der vorderen Plätze im Dax.

Die schönen Zahlen und Worte konnten Nachfragen zu den Razzien der Staatsanwaltschaft jedoch nicht komplett eindämmen. Die Dimensionen der Untersuchungen - immerhin waren 100 Ermittler angerückt - wollte BMW am Mittwoch gar nicht kommentieren. "Wir sind nicht Pressesprecher der Staatsanwaltschaft", erklärte Schöberl dazu.

Immerhin wiederholte Technikchef Klaus Fröhlich auf Nachfrage, dass dabei im Zuge von Nachbesserungen an der Software "ein Label verwechselt wurde" und eine "irrtümliche Zuordnung" erfolgte. Diese habe sich aber sowohl auf dem Prüfstand als auch auf der Straße ausgewirkt. "Das heißt, das spezifische Problem Prüfstand sehen wir nicht", drückte es Fröhlich aus. Im übrigen habe BMW im Zuge weitläufiger Untersuchungen proaktiv das Kraftfahrt-Bundesamt informiert.

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