Freitag, 16. November 2018

Kultmarke Automarke Borgward vor Comeback - mit Stuttgarter Zentrale

Kleinserien-Hersteller: Das harte Los deutscher Marken-Wiederbeleber und Auto-Manufakturen
C. Kramer

Ihr Modell Isabella war legendär, ihr Untergang rasant: Vor 53 Jahren fuhr der einstige Mercedes-Widersacher Borgward spektakulär in die Pleite. Nun will der Enkel des Firmengründers die Marke wiederbeleben - und wagt sich dafür in die Stadt des früheren Erzkonkurrenten.

Hamburg - Noch ist die Sache ziemlich nebulös. Ein Video gibt es immerhin schon, mit vielen Schwarzweiß-Sequenzen, wummernder Musik und pathetischen Ansagen. "Geschaffen von einem visionären Ingenieur", heißt es darin. Beschworen wird eine "Marke, die Automobilgeschichte schrieb" - mit "Autos, die unser Herz berühren". "Jetzt", so verspricht der knapp einminütige Film, "sind wir zurück- wir sehen uns in auf dem Genfer Autosalon 2015."

Der Trailer findet sich auf der Website borgward.com und sorgt in der Autobranche für Aufsehen. Denn er kündigt einen ernsthaften Comeback-Versuch der Automarke Borgward an. Die war zu Zeiten des Wirtschaftswunders eine große Nummer in Deutschland und zählte in den 1950er-Jahren zu den drei größten Autoherstellern im Land.

Die Borgward-Modelle waren innovativ - und lagen auf Augenhöhe mit Fabrikaten von Opel, Ford oder Mercedes. Prominente wie Verleger Axel Springer ließen sich im Borgward Isabella ablichten, selbst Hollywood-Schauspieler Paul Newman fuhr in dem Modell des Bremer Herstellers umher. Auf den schnellen Aufstieg folgte der rasante Absturz: 1961 rutschte Borgward in die Pleite, die Marke verschwand für Jahrzehnte von der Bildfläche.

Nun will der Enkel des Firmengründers, Christian Borgward, der Marke neues Leben einhauchen. Seit zehn Jahren arbeitet der Einzelhandelskaufmann am Comeback der Automarke, nun hat er offensichtlich genügend Kapital für einen Neustart eingesammelt. Auf dem Genfer Autosalon hat er einen Stand gemietet, am 3. März will er dort über seine Pläne und das Geschäftsmodell für Borgward informieren.

Borgward will seinen "Kindheitstraum" verwirklichen

Der Relaunch der Automarke ist "ein Kindheitstraum von mir, der nun Realität wird", erklärt Christian Borgward in einer Pressemitteilung. Seit 2005 arbeitet er an dem Projekt, vor sieben Jahren gründete er dazu die Borgward AG mit Sitz in Luzern. An Bord geholt hat er Karlheinz L. Knöss, den ehemaligen Leiter der Unternehmenskommunikation von DaimlerChrysler Nutzfahrzeuge.

Aufstieg und Fall der Automarke Borgward
Mittelklasse-Blitzstart in den 1950er-Jahren
Der Maschinenbauer Carl F. W. Borgward übernahm 1931 mit einem Partner die Bremer Hansa-Lloyd-Werke. Nach dem Zweiten Weltkrieg fing Borgward mit kleinen Autos wie dem Lloyd LP 300 neu an. Sein Ruf als genialer Konstrukteur und Designer ist eng mit dem Mittelklassewagen Isabella verbunden, die es auch als Kombi, Cabrio und Coupé gab.
Lieber Techniker statt Kaufmann
Bis Ende der 1950er-Jahre wuchs das Unternehmen bis auf 20 000 Arbeitsplätze. Doch dann geriet es in Schwierigkeiten, auch weil sich der Firmenpatriarch nach Aussagen von Zeitzeugen mehr für Technik als für kaufmännischen Angelegenheiten interessierte. Zudem verzettelte er sich mit teuren Projekten – er entwarf unter anderem einen Hubschrauber.
Bremer Werk überlebte – dank Daimler
Im Herbst 1960 wurde das Geld knapp, der Bremer Senat stellte Bürgschaften, ein Kredit platzte. Borgward musste das Unternehmen verlassen, im September 1961 folgte die Pleite. Seit 1971 gehört das Werk der Daimler AG, seit 1978 werden dort wieder Personenwagen gebaut. Heute ist die Fabrik in Bremen-Sebaldsbrück das zweitgrößte Mercedes-Benz-Werk weltweit.
Noch beschränkt sich der Comeback-Versuch auf ein Video, eine Presseaussendung und die Pressekonferenz-Einladung. Zu konkreten Modellen, Geldgebern, Positionierung oder Unternehmenssitz haben sich Borgward und Knöss bisher noch nicht geäußert.

Ein paar unbestätigte erste Hinweise gibt es allerdings. Laut einem Bericht des "Westfalen-Blatts" will Borgward sein Neustart nicht von der Schweiz aus steuern, sondern die künftige Borgward-Zentrale in Stuttgart ansiedeln. Dort liegt nicht nur das Hauptquartier von Daimler Börsen-Chart zeigen, auch der Sportwagenhersteller Porsche Börsen-Chart zeigen hat seinen Hauptsitz in der Stadt. Dem Blatt zufolge soll die Entscheidung für eine Borgward-Zentrale in Stuttgart unter anderem deswegen gefallen sein, weil in der baden-württembergischen Hauptstadt bereits viele Zulieferer sitzen.

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