Donnerstag, 24. August 2017

Franzosen preschen im Auto-Hoffnungsmarkt vor Renault will im Iran bald 350.000 Autos pro Jahr bauen

Renaults Günstig-SUV Dacia Duster soll bereits Ende 2018 auch im Iran vom Band rollen

Frankreichs Autohersteller nutzen ihre alten Verbindungen gekonnt, um im Iran schneller zu sein als die westliche Konkurrenz. Die neue Opel-Mutter PSA Group (Peugeot, Citroën) Börsen-Chart zeigen hat vor Monaten millionenschwere Jointventures zur Produktion von Peugeot-Autos im Iran unter Dach und Fach gebracht.

Nun zieht auch Erzkonkurrent Renault nach: Renault-Vize Thierry Bolloré unterzeichnete Anfang dieser Woche in Teheran einen Jointventure-Vertrag, der auch ein neues Renault-Autowerk in dem Land umfasst. 660 Millionen Euro will Renault investieren. Ein Großteil des Geldes dürfte in die Renovierung eines Werkes mit einer Kapazität von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr fließen.

Dazu gründete Renault zusammen mit zwei iranischen Partnern ein Gemeinschaftsunternehmen - Renault hält daran 60 Prozent, die staatliche iranische Behörde für industrielle Entwicklung 20 Prozent und das iranische Privatunternehmen Parto Negin Nasseh die restlichen 20 Prozent.

Das Gemeinschaftsunternehmen will ein Werk in Saveh rund 120 Kilometer südwestlich von Teheran modernisieren und dort in einem ersten Schritt rund 150.000 Autos pro Jahr herstellen. Starten soll das Werk mit der Produktion der Kleinwagen-Limousine Renault Symbol und des Günstig-SUV Duster der Renault-Tochter Dacia.

Die ersten Fahrzeuge sollen bereits in eineinhalb Jahren vom Band laufen. Renault schraubt damit seine Produktionskapazitäten im Iran um 75 Prozent nach oben. Aktuell können die Franzosen bereits maximal 200.000 Autos jährlich im Iran produzieren, nun kommen bis Ende 2018 weitere 150.000 mögliche Einheiten dazu.

USA mauern weiter gegen Iran-Geschäfte

Renault und die iranische Regierung hatten die gemeinsame Autoproduktion im September 2016 vereinbart. Der Iran gilt als Automarkt mit einem der höchsten Wachstumspotenziale weltweit. Die Verbraucher dort haben nur eine begrenzte Zahl von Automarken zur Auswahl, seit im Zuge der Strafmaßnahmen wegen des iranischen Atomprogramms viele Autobauer das Land verließen.

Seit der Aufhebung der härtesten internationalen Sanktionsmaßnahmen im Jahr 2015 wagen sich westliche Unternehmen wieder vorsichtig in den Iran vor.

Noch sind die politischen Unsicherheiten allerdings groß. US-Präsident Trump ist ein erklärter Gegner der Sanktionsaufhebungen. Und die USA wollen dem Iran nach wie vor wenig Freiraum gewähren. Den Start einer iranischen Weltraumrakete mit Satelliten an Bord nahmen die USA zum Anlass, um gegen sechs iranische Unternehmen und Körperschaften Wirtschaftssanktionen zu verhängen. Etwaiges Vermögen dieser sechs Firmen in den USA wird eingefroren, amerikanische Unternehmen dürfen mit ihnen keine Geschäfte machen.

Warum deutsche Autobauer sehr vorsichtig sind

Und das erklärt auch, warum die deutschen Autohersteller das sich gerade entwickelnde Geschäft im Iran den französischen Konkurrenten überlassen. Denn die Deutschen fürchten, dass die US-Regierung bei ihren Exporten in den Iran ganz genau hinschauen könnte, ob es dabei Verstöße gegen US-Sanktionen geben könnte.

Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna

Finden sie dabei etwas, hätte Trump ein Argument an der Hand, um Strafzölle für den Import deutscher Luxusautos in die USA zu verhängen. Und das wäre dann ein viel größeres Problem als die fürs Erste eher überschaubaren Gewinne im Iran.

Die französischen Autohersteller PSA und Renault müssen weniger Rücksicht nehmen auf amerikanische Befindlichkeiten. Sie haben keine Werke in den USA und verkaufen ihre Fahrzeuge auch nicht im zweitgrößten Automarkt der Welt.

Renault-Chef Carlos Ghosn bezifferte den möglichen Auto-Gesamtmarkt im Iran im Jahr 2020 auf 2 Millionen Fahrzeuge. Von diesem "unbestreitbaren Potenzial", wie Ghosn es nennt, wollen sich Frankreichs Autobauer ein möglichst großes Stück sichern - weshalb sie jetzt hunderte Millionen in ihre Iran-Jointventures pumpen. Die ersten Investitionen machen sich bereits bemerkbar: So fing das erstarkende Iran-Geschäft im ersten Halbjahr Peugeots Absatzrückgänge in Europa und China auf.

Ob die Lieferungen nach Persien höhere Gewinne brachten, als sie in Europa und China möglich gewesen wären, verrieten die Franzosen bislang allerdings nicht.

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