Montag, 20. November 2017

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Gemeinschaftsunternehmen Ionity startet Autoindustrie will Bau von Ladenetz noch 2017 beginnen

BMW i3 an einer Ladesäule in Leipzig (Archivbild)

Das von der Autobranche gemeinsam geplante europaweite Ladenetz für Elektrofahrzeuge soll bis Ende dieses Jahres noch erste Gestalt annehmen. Bis dahin werde der Aufbau der ersten 20 von insgesamt 400 geplanten Schnellladestationen an Autobahnen und anderen Hauptverkehrsachsen in Deutschland, Norwegen und Österreich beginnen, teilten die beteiligten Autobauer BMW Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen und Ford Börsen-Chart zeigen sowie Volkswagen Börsen-Chart zeigen mit den Töchtern Audi Börsen-Chart zeigen und Porsche Börsen-Chart zeigen am Freitag mit.

Im kommenden Jahr soll die Zahl auf über 100 steigen, bis 2020 sollen dann alle 400 Ladestationen stehen. Der Ausbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur gilt als wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich mehr Menschen für den Umstieg auf ein Elektroauto entscheiden.

Mit dem ersten paneuropäischen Ladenetz werde die Elektromobilität langstreckentauglich, erklärte Ionity-Chef Michael Hajesch. "Die Gründung von Ionity ist ein wichtiger Meilenstein, der zeigt, dass die Automobilhersteller ihre Kräfte dazu bündeln." Das manager magazin hatte über die Berufung des BMW-Mannes Hajesch an die Ionity-Spitze bereits in seiner September-Ausgabe berichtet.

Lesen Sie hier: Sieben gute Gründe (unter anderem Ionity), warum die deutschen Autobauer trotz des Dieselskandals vor Kraft strotzenDas eigens für den Aufbau des Netzes gegründete Unternehmen, an dem die vier Konzerne zu je einem Viertel beteiligt sind, firmiert unter dem Namen Ionity. Sitz ist München, wo zunächst etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen. Zur Höhe der Investitionen wollen die Beteiligten keine Angaben machen.

Die Stationen sollen jeweils etwa 120 Kilometer voneinander entfernt liegen und stets über mehrere Ladesäulen verfügen. Den Angaben zufolge entstehen die ersten 20 Stationen in Zusammenarbeit mit dem Raststättenbetreiber Tank & Rast, der österreichischen Mineralölgesellschaft OMV und der Handelskette Circle K, die auch Tankstellen betreibt. Später sollen weitere hinzukommen.

Die Autobauer schaffen so eine wichtige Voraussetzung, damit die vielen von ihnen im kommenden Jahrzehnt angekündigten Modelle Abnehmer finden. Das "Henne-Ei-Problem", dass Elektroautos kein Massenprodukt werden können ohneLadeinfrastruktur, und andererseits die Autobauer wegen fehlender Ladestellen mit der Entwicklung der Stromer zögerten, wird damit bald gelöst.

Allerdings werden noch viel mehr Ladestationen gebraucht, damit Autos mit Strom so einfach aufgeladen werden können wie mit Sprit. Die von der Bundesregierung ins Leben gerufene "Nationale Plattform Elektromobilität" (NPE) hält 2020 etwa 70.000 öffentlicheLadepunkte sowie 7.100 Schnellladestationen in Deutschland für nötig. Derzeit gibt es nach Daten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft knapp 11.000 Ladepunkte.

Der US-Elektroautopionier Tesla stellt bereits lieber selbst Stromtankstellen zur Verfügung, statt auf staatliche Investitionen in die Infrastruktur zu warten. Die deutschen Autokonzerne und Ford packen das Projekt jetzt gemeinsam mit den Raststättenbetreibern Tank & Rast, OMV und Circle K an. Denn die deutschen Hersteller wollen bis 2020 ihr Angebot an E-Auto-Modellen auf rund 100 mehr als verdreifachen. Die nächste Generation soll mit einer Akkuladung 500 bis 600 Kilometer weit fahren können.

An den Ladesäulen von Ionity könnten die Batterien mit einer Leistung von bis zu 350 Kilowattstunden aufgeladen werden - markenunabhängig dank eines Einheitssteckers, wie die Unternehmen weiter mitteilten. Zur Höhe der Investitionen äußerten sich die Unternehmen nicht. Experten schätzen die Kosten auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Die Autobauer setzen darauf, dass sich noch weitere Hersteller dem Joint Venture anschließen und die Kosten teilen. Zudem liefen Gespräche über staatliche Fördermittel, erklärte ein Porsche-Sprecher. Die Bundesregierung wollte den Aufbau von Ladeinfrastruktur mit 300 Millionen Euro bezuschussen.

luk, wed, dpa, reuters

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