Dienstag, 25. Juli 2017

Autogestalter Andrea Zagato über Elektroauto-Design "Menschen fürchten zu viel Veränderung bei Autos"

Neue Formensprache dank Elektroantrieb: Warum Autodesigner Zagato Elektroautos konventionell gestaltet
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Zagato Design

Andrea Zagato kennt die Kniffe des Autodesigns buchstäblich von Kindesbeinen an. Der 55-jährige Italiener leitet das gleichnamige italienische Design- und Entwicklungsbüro in dritter Generation - gemeinsam mit seiner Frau Marella Rivolta-Zagato. Das Gespräch über die Neuerungen beim Design von Elektroautos führte er während einer längeren Autofahrt. Höflich warnte er zu Beginn des Gesprächs, dass die Verbindung wegen fünf hintereinanderfolgender Tunnel abreißen könnte. Das tat sie dann nur einmal. Für ein Gespräch über die Zukunft der Mobilität schufen die Begrenzungen heutiger Technik jedoch einen spannenden Kontrast.

manager-magazin.de: Herr Zagato, in welchem Auto sitzen Sie gerade?

Andrea Zagato: Ich fahre ein BMW 6er Gran Coupé.

mm.de: Ein klassisches Fahrzeug mit Verbrennungsmotor also. Elektroautos haben Sie auch schon gesteuert?

Zagato: Ich war wohl einer der allerersten Fahrer eines Elektroautos. Als ich zehn Jahre alt war, stellte meine Familie die weltweit ersten in Serie gefertigten Elektroautos her. Anfang der 1970er-Jahre wurden mehr als 1000 Stück des Elcar Zele gebaut. Und eines dieser Autos fuhr ich dann auf einem abgeschlossenen Gelände.

mm.de: Warum wagte Ihre Familie damals die Produktion eines nicht mal zwei Meter langen Elektro-Stadtmobils?

Zagato: Der Grund für das Projekt war der erste Ölschock im Jahr 1972. Im Jahr 1979 kam dann der zweite Ölschock. Jeder dachte damals, dass die Welt sich in Richtung Elektroautos bewegt. Doch zwei Ölschocks waren nicht genug, die Autobranche und die Regierungen wirklich davon zu überzeugen.

mm.de: Jetzt probiert es die Branche wieder. Glauben Sie, dass sich die Autowelt diesmal wirklich ändert?

Zagato: Diesmal wird das funktionieren. In den 1970ern war ein Schock der Auslöser, kombiniert mit hohen Kraftstoffkosten. Heute ist die Situation ganz anders. Die jungen Leute von heute wollen keine Umweltverschmutzung und keinen Lärm mehr, die Performance von Autos ist ihnen egal. Die meisten von ihnen betrachten Autos als Zusatzgerät für ihr iPhone oder ihr iPad. Sie brauchen keine lauten, klobigen, schnellen Fahrzeuge. Sondern sie suchen nach etwas, das kommunizieren kann und sie in Kommunikation mit anderen bringt - auf einfache und sichere Weise.

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