Samstag, 30. Juli 2016

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Daimler-Kleinwagen Smart "Das ist keine Geheimniskrämerei"

Daimler-Marke Smart: Der Bonsai-Benz drängt aus der Nische
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Daimler

Der einst als "Elefantenrollschuh" verunglimpfte Kleinwagen Smart wird erwachsen: Im kommenden Jahr fährt Daimler die Neuauflage vor. Smart-Chefin Annette Winkler über das Ausgleichen der Europaschwäche, Designstudien als Experimentierlabors und die neue Positionierung der Marke.

mm: Frau Winkler, jahrelang war der Kleinstwagen Smart ein eher ungeliebtes Kind im Daimler-Konzern Börsen-Chart zeigen. Just als die Stückzahlen über 100.000 Stück pro Jahr wuchsen, brach der Markt in Europa ein. Wie kommen Sie mit der Absatzkrise zurecht?

Winkler: Von ungeliebtem Kind kann keine Rede sein, und die Schwäche in Südeuropa konnten wir erfolgreich kompensieren. Im vergangenen Jahr haben wir 104.000 Smarts verkauft, in diesem Jahr werden es wieder um die Hunderttausend sein. Und das trotz rückläufiger Absatzzahlen in unseren bisher stärksten Märkten Italien, Frankreich, Spanien und Portugal, weil wir die die Eurokrise mit Erfolgen in neuen Märkten ausgleichen konnten. Hinzu kommt, dass wir uns mit dem erfolgreichen Carsharing-Angebot car2Go unseren mittlerweile größten Einzelkunden selbst geschaffen haben. Wir sind sehr stolz auf die Leistung, Smart so erfolgreich stabil zu halten.

mm: Mit der Diskussion um CO2-Flottenwerte ist ja auch smarts Bedeutung innerhalb des Daimler-Konzerns gewachsen. Jetzt steht bei Smart ein Modellwechsel an. Was gestalten Sie alles um?

Winkler: Der aktuelle Smart Fortwo ist seit 15 Jahren in fast unverändertem Design auf dem Markt. Im kommenden Jahr stellen wir die neue Smart-Generation vor. Das ist natürlich ein besonderer, sehr wichtiger Moment für uns. Wir haben gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Renault eine komplett neue Plattform entwickelt, auf der zwei Smart Modelle und der nächste Twingo entstehen. Gleichzeitig werden wir bei Smart die erst vor kurzem erfolgreich eingeführte Elektroversion des heutigen fortwo weiter bauen. Das Produktportfolio unserer Marke wird also breiter - und gleichzeitig weiten wir konsequent unser Angebot an Mobilitätsdienstleistungen aus.

mm: Experten meinen allerdings, dass Smart erst dann hohe Profite abwirft, wenn sie mindestens zwei Baureihen anbieten und mehr als 200.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen …

Winkler: Ich bin seit dem Herbst 2010 für Smart verantwortlich. In dieser Zeit haben wir immer positiv zum Ergebnis von Daimler beigetragen. Nun bekommen wir mit dem neuen Zweisitzer und Viersitzer zwei Baureihen, und dass wir mit diesen neuen Modellen auch stark wachsen wollen, ist doch klar.

mm: Mit dem derzeitigen Modell ist das auch kaum möglich. Denn aktuell ist der Smart nicht mehr.

Winkler: Was heißt "nicht aktuell"? Wer hätte gedacht, dass wir den Smart eineinhalb Jahrzehnte lang bauen und 1,5 Millionen Stück davon verkaufen? Eine solche Erfolgsgeschichte gibt es nicht so oft. Noch heute sieht das Auto sehr frisch und modern aus, wir halten den Absatz stabil um 100.000 Einheiten, und gerade in neuen Märkten wie China haben wir mit dem Smart sehr großen Erfolg. Da sind wir dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge zum besten Kleinstauto des Landes gewählt worden. Die Begeisterung ist so groß, dass China heute bereits unser drittwichtigster Markt ist, obwohl wir erst 2009 mit kleinen Stückzahlen angefangen haben. Im vergangenen Jahr haben wir dort schon 16.000 Einheiten verkauft, und wir legen weiterhin stark zu.

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