Samstag, 25. Juni 2016

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Dubiose Exporte der Hyundai-Konzerntochter Kia nach Norwegen Mit diesem Phantomauto hebelt Hyundai die Abgas-Grenzwerte der EU aus

Studie zu CO2-Flottenzielen: Diese Autohersteller haben die größten Abgasprobleme
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DPA

Der Kia Soul EV ist ein eher gewöhnungsbedürftiges Auto: Eckig wie ein Kleiderschrank, maximal 145 Stundenkilometer schnell und mit 31.000 Euro auch nicht wirklich billig.

Und doch ist der Van des koreanischen Hyundai-Konzerns laut offizieller Statistik Deutschlands beliebtestes Elektroauto. Immerhin 2459 zugelassene Exemplare in diesem Jahr bringen dem Soul EV den Spitzenplatz ein - vor dem Mitsubishi Outlander Plugin Hybrid und dem Golf GTE.

Allein im Oktober registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) fast 1000 neue Soul EVs. "Nehmen Sie den Superhelden unter die Lupe" fordert Kia Interessenten selbstbewusst auf.

Wie kann das sein? Verzaubern die Koreaner mit diesem Gefährt wirklich die deutschen Autofahrer? Trifft Kia mit seinem unkonventionellen Elektroauto angesichts des VW-Abgasskandals den Zeitgeist am besten?

Der Superheld ist gar keiner

Weit gefehlt. Der Superheld ist nämlich gar keiner - zumindest nicht aus Sicht der deutschen Kunden. In Wirklichkeit ist der Kia Soul EV ein Phantomauto, wie Recherchen von manager-magazin.de ergeben haben.

Kaum einer der registrierten Wagen fährt im Alltag auf deutschen Straßen. Doch mit den hohen Soul-EV-Zulassungszahlen hübschen Kia und damit auch der Mutterkonzern Hyundai Börsen-Chart zeigen, dessen Autosparte neben Kia auch die Hauptmarke Hyundai herstellt, ihre Abgasbilanz auf - und hebeln auf diese Weise die EU-Grenzwerte aus.

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Verkaufen lassen sich die vielen Kia Soul-EV in Deutschland so gut wie gar nicht: Mangels Nachfrage wurden 2015 etwa 91 Prozent der Soul EVs auf Händler zugelassen, hat das CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg ermittelt. Im Oktober lag der Wert sogar bei 99 Prozent. "Das ist ein in diesem Ausmaß völlig ungewöhnlicher Vorgang", sagt CAR-Center-Chef Ferdinand Dudenhöffer.

Ungewöhnlich ist das Vorgehen vielleicht, vor allem aber ist es kreativ: Denn Kia findet durchaus Abnehmer für sein Auto - und zwar in Norwegen. Ein Blick in die dortige Statistik zeigt: Dort haben Händler in diesem Jahr bereits 1400 gebrauchte Soul EV importiert.

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Und woher kommen die? "Von denen, die solche Autos in Deutschland nicht haben wollen", sagte Händler Per W. Haaland gegenüber dem norwegischen Boulevardblatt "Verdens Gang". Dagegen wurden nur 700 neue Soul EVs in Norwegen zugelassen.

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