Mittwoch, 19. September 2018

Wohnwagenspezialist auf der Suche nach Investoren Hymer-Eigner wollen Mehrheit verkaufen

Der Stand von Hymer auf der Campingmesse Caravan Salon

Das Geschäft läuft. Doch auf der Suche nach einem Investor ist noch keine Lösung gefunden. Deshalb haben sich die Eigentümer der Erwin Hymer Group nun wegen der schon länger anhaltenden Suche nach Investoren bereit erklärt, die Mehrheit am Wohnmobilunternehmen zu verkaufen. Ursprünglich wollten sie nur einen Minderheitsanteil an dem Konzern veräußern. "Das hat sich im Prozessverlauf geändert", sagte Hymer-Chef Martin Brandt dem "Handelsblatt" (Montag). Die bisherigen Gespräche hätten gezeigt, dass "Interesse an einem Mehrheitsanteil an der Gruppe besteht".

Die Hymer-Gruppe besteht neben der Marke Hymer noch aus weiteren 23 Herstellern von Reisemobilen und Zubehör wie Dethleffs und Bürstner, aber auch Vermietern und Serviceanbietern. Das Management und Eigentümerfamilie planen, die Hymer Group entweder an die Börse zu bringen oder Anteile an einen Investor zu verkaufen. "Da sind wir in Gesprächen", hatte Brandt bereits vor einigen Tagen anlässlich der Messe Caravan Salon gesagt. Entschieden sei aber noch nichts. "Wir sind nicht in Eile und nicht unter Zugzwang."

Experten rechnen damit, dass Hymer bei einem Börsengang mit 2,5 bis 3 Milliarden Euro bewertet werden könnte. Im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende August) hat die Gruppe weltweit rund 62.000 Fahrzeuge verkauft. Der Umsatz dürfte bei voraussichtlich rund 2,5 Milliarden Euro liegen, etwa 400 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Zum Gewinn macht die Gruppe keine Angaben.

Wachstumspotenzial sieht die Hymer-Gruppe vor allem in der wachsenden Camping-Begeisterung in China. Das Unternehmen will dort künftig selbst Wohnwagen und Reisemobile bauen und verkaufen. Dazu ist Hymer eine Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen Lingyu eingegangen. Noch in diesem Jahr soll das Gemeinschaftsunternehmen Luoyang Erwin Hymer-Loncen Caravan die Arbeit aufnehmen. "Wir sehen, dass sich der Markt entwickelt, und wir wollen von Anfang an dabei sein", sagte Vorstandschef Martin Brandt während der Messe.

Staat baut Tausende Campingplätze auf

Nach eigenen Angaben soll sich das Marktvolumen in China bis zum Jahr 2020 auf ein Volumen von 22 Milliarden Euro belaufen. Hintergrund sei, dass der Ausbau der Camping-Industrie und die entsprechende Infrastruktur Bestandteil der Fünfjahresplan sei. Dazu sei der Bau von 4000 Campingplätzen bis zum Jahr 2020 geplant, heißt es in einer Pressemitteilung von Hymer.

Bislang verkaufte die Hymer-Gruppe in China gut 1000 Fahrzeuge im Jahr. Der Markt wachse aber rasant, und man komme auf ein Level, auf dem man selbst vor Ort produzieren müsse - auch weil im Ausland gefertigte und nach China gelieferte Fahrzeuge durch die hohen Importzölle erheblich teurer würden.

Brandt schwebt mittelfristig eine Zahl von etwa jährlich 10.000 in China produzierten Fahrzeugen vor. Wobei es nicht so sehr darauf ankomme, ob das schon nach drei oder erst nach vier Jahren erreicht werde.

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Gemessen an der Größe des Landes steht Camping mit Wohnwagen oder Reisemobil in China noch eher am Anfang. Im ersten Schritt werde das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in der Provinz Henan Wohnwagen in europäischem Design produzieren. Wohnmobile und speziell für den chinesischen Markt designte Fahrzeuge sollen später folgen. Auch sollen die Wohnwagen der Premieren-Generation erst einmal nicht direkt an Endkunden, sondern an die Campingplätze verkauft werden, die sie dann an ihre Gäste vermieten können. "So wollen wir sie in den Markt hineinbringen", sagte Brandt.

dpa/akn

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