Freitag, 28. April 2017

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Mit 1500 Elektro-Vitos gegen den Post-Streetscooter Daimler gewinnt potenten Großkunden für E-Transporter

Elektro-Van-Studie von Daimler (l.), Streetscooter von der Deutschen Post
Daimler / StreetScooter
Elektro-Van-Studie von Daimler (l.), Streetscooter von der Deutschen Post

Deutsche Post und Hermes wollen ihre Pakete künftig emissionsfrei zum Kunden bringen. Während die Post kleine E-Laster in Eigenregie bauen lässt, geht der Wettbewerber einen anderen Weg.

Vor knapp einem Jahr preschte die Deutsche Post vor: In Zukunft sollen nur noch emissionsfreie Elektroautos Päckchen und Pakete zustellen, kündigte der Konzern an und damit zugleich den Bau eines eigenen Elektro-Transporters. Nach und nach würden die gelben "Streetscooter" die Benzin oder Diesel verbrennenden Autos ersetzen, so die Botschaft von Konzernchef Frank Appel.

4000 der gelben E-Transporter will die Post bis Ende dieses Jahres auf die Straße bringen. Im Jahr 2025 sollen weitere Tausende "Streetscooter" bis zu 70 Prozent der Zustellungen erledigen. Und im Jahr 2050 dann, so Appels Vision, der Konzern weltweit frei von Emissionen sein.

Schon jetzt zeigt sich, die im Jahr 2014 von der Deutschen Post übernommene Streetscooter GmbH, 2010 als Startup im Umfeld der RWTH Aachen gegründet, kommt mit der Produktion der elektrischen Paketautos kaum nach. Dabei soll der gleichnamige Elektrofahrzeugbauer im Zweischichtmodell auf dem Gelände der ehemaligen Waggonfabrik Bombardier in Aachen bis zu 10.000 Fahrzeuge jährlich herstellen können.

Dass die Post zur Erreichung ihres ehrgeizigen Ziels womöglich noch auf einen herkömmlichen Autobauer umschwenkt, ist derzeit nicht bekannt. Vermutlich aber dürften sich damit erst mal Spekulationen erledigen, Streetscooter werde ob der großen Nachfrage für andere Unternehmen im großen Stil Elektrotransporter bauen.

Hermes will 1500 Mercedes-E-Transporter in Innenstädten einsetzen

Einen anderen Weg geht da der Wettbewerber Hermes. Der Paketdienst hat bei Daimler 1500 Elektrotransporter bestellt, die der Autobauer bis 2020 ausliefern soll. Hamburg und Stuttgart sollen die ersten Städte sein, in denen Hermes die kleinen E-Laster testet. Danach sollen die Mercedes-Stromer auch in Städten anderer Ballungsräume die Pakete ausfahren, teilten der Autobauer und das Logistikunternehmen am Dienstag mit.

Zumindest in deutschen Innenstädten will Hermes dann im Jahr 2025 nur noch emissionsfrei zustellen. E-Antriebe seien die "Schlüsseltechnologie" für den urbanen Transport. Auch sollten die Batterien der Fahrzeuge nur mit Ökostrom wieder aufgeladen werden.

Der "Vito" ist bereits als Stromer auf deutschen Straßen unterwegs, und schafft bis zu 130 Kilometer Reichweite. Der größere "Sprinter" soll künftig auch als E-Transporter gebaut und den Anforderungen von Hermes angepasst werden.

Die Elektromobilitätsoffensive der Deutschen Post und jetzt beginnend auch beim Wettbewerber Hermes mag gut fürs Image sein, folgt aber sicher nicht nur diesen Erwägungen. So beginnen erste Städte wie Stuttgart damit, zeitweilig Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu verhängen oder planen dies.

Nicht nur Logisitikunternehmen wie die Post oder Hermes müssen das Risiko eines möglichen Fahrverbots in Innenstädten ausschalten, wollen sie Aufträge nicht an Wettbewerber oder neue Kurierdienste verlieren. Parallel testen bereits auch Nahverkehrsbetriebe in deutschen Großstädten den Betrieb emissionsfreier Busse.

mit afp

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