Sonntag, 24. März 2019

VW-Tochter Moia startet in Hamburg Alles außer Hunde, Döner und Alkohol

Bis zu 500 elektrisch betriebene Moia-Fahrzeuge sollen innerhalb des nächsten Jahres in Hamburg fahren.

Mit 100 Kleinbussen startet die VW-Tochter Moia in der Hansestadt. Bis zum Ende des Jahres sollen rund 500 Moia-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein, teilten die Geschäftsführer Ole Harms und Robert Henrich am Donnerstag mit.

Moia macht ernst. Am 15. April geht das elektrisch betriebene Ridesharing in Hamburg in den regulären Betrieb. Nach der dreimonatigen Testphase mit zehn Autos sollen dann rund 100 Kleinbusse durch die Hansestadt fahren. "Hamburg ist unser Leuchtturmprojekt und die Vorbereitung für alle weiteren Schritte in die Zukunft", sagte Moia-CEO Ole Harms am Donnerstag.

Damit steigt der VW-Konzern mit einem großen Aufschlag in den Markt der Mobilitätsdienstleistungen in Großstädten ein. VW lässt sich das Experiment einen "signifikanten dreistelligen Millionenbetrag" kosten, so Harms weiter.

Buchung und Bezahlung per App

Kunden können ab Betriebsbeginn über die Moia-App Fahrten regulär buchen. Start- und Zielort sind jeweils virtuelle Haltestellen, die möglichst nah am aktuellen Standort liegen. Ein Netz von über 10.000 Haltestellen soll ermöglichen, dass im aktuell 200 Quadratkilometer großen Geschäftsgebiet eine Abholung stets innerhalb der nächsten 250 Meter möglich ist.

Ein Algorithmus kombiniert die Fahrten mehrerer Kunden miteinander, sodass während der gebuchten Fahrt noch andere Personen ein- oder aussteigen können. Es sei aber so konzipiert, erklärt Moia-COO Robert Henrich, dass das zu Fahrtbeginn angegebene Ankunftszeitfenster auch eingehalten werde. Das gelte auch für potenziell zu spät kommende andere Fahrtgäste. Gewartet werde lediglich kurz.

Auch der Preis der per App gebuchte Fahrt ist fest. Das Preisniveau liegt nach Angaben des Unternehmens zwischen den Preisen des öffentlichen Nahverkehrs und einer Taxifahrt. Eine durchschnittliche Fahrt liegt mit fünf bis sieben Kilometer bei sechs bis sieben Euro. Bezahlt werden kann nur bargeldlos mit der in der App hinterlegten Kreditkarte. Trinkgeld und Bewertungen werden ebenfalls über die App vorgenommen.

Auch mit Betriebsbeginn sei die Lernphase noch nicht abgeschlossen, so Henrich. Vor allem die subjektive Bereitschaft der Kunden, zum Beispiel für Umwege, könne man erst mit der Zeit erfahren und dementsprechend den Service verbessern. Ziel sei es Moia bis zum Weltkongress zum Thema Intelligente Verkehrssysteme und Services (ITS) im Jahr 2021 zu perfektionieren. Schon jetzt gibt es aber gewisse Regeln, an die sich auch die Kunden halten müssen: Hunde, Döner und Alkohol können nicht mitgenommen werden.

Mehr Autos, mehr Mitarbeiter, mehr Städte

Gefahren wird in einem sechs Meter langen und zwei Meter fünfzig breiten Elektrofahrzeug welches auf der Basis des Transporters Crafter eigens für den Moia-Dienst entwickelt und bei VW in Osnabrück in Kleinserie produziert wurde. Bis zu sechs Personen haben in den Kleinbussen Platz, die Reichweite liegt bei 300 Kilometern. Die Fahrzeugflotte soll mit der Zeit aufgestockt werden. In einem Jahr sollen es 500 Kleinbusse sein, die dann ein Geschäftsgebiet von 300 Quadratkilometern abdecken. Bindende Restriktion ist die noch ausstehende Genehmigung der Stadt Hamburg. Beantragt sind laut Henrich bis zu 1000 Fahrzeuge.

Die bestehenden Fahrzeuge werden auf bislang zwei Betriebshöfen im Hamburger-Stadtgebiet gewartet und bei Bedarf aufgeladen. Bis zu 235 Fahrzeuge können an den 120 Ladesäulen mit Ökostrom betankt werden. Die 18 von Porsche gelieferten High-Power-Charger schaffen eine 80 prozentige Aufladung in einer halben Stunde. Auch hier sollen weitere folgen.

Aktuell arbeiten nach Angaben des Unternehmens 400 Festangestellte bei Moia, bis Ende 2019 sollen es 1000 Mitarbeiter sein, im ersten Quartal 2020 dann 1600. Ziel sei es, einer der Top-100-Arbeitgeber Hamburgs zu werden, hieß es am Donnerstag.

Bereits seit Mitte vergangenen Jahres gibt es den Ridesharing-Dienst in Hannover. Dort habe man zu Spitzenzeiten eine Auslastungsquote von 60 Prozent. Die durchschnittliche "Sharing-Rate" nannte das Unternehmen nicht. Auch zu potenziellen weiteren Städten, in denen der Service zukünftig angeboten werden soll, wollte sich Henrich nicht äußern. Allerdings würde ihm schon jetzt "die Städte die Bude einrennen".

mit dpa

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