Samstag, 25. Februar 2017

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Jifeng soll deutschen Autozulieferer vor VW-Schreck schützen Kampf um Grammer - Der weiße Ritter kommt aus China

Wackelige Angelegenheit. Grammer-Testzentrum in Haselmühl (Bayern).
DPA / Grammer
Wackelige Angelegenheit. Grammer-Testzentrum in Haselmühl (Bayern).

Die deutsche Auto-Industrie hofft bei einem ihrer derzeit unwägbarsten Risiken auf Hilfe aus China: Der Mittelständler Jifeng springt ihr beim umkämpften bayerischen Auto-Zulieferer Grammer zur Seite und steigt über eine Wandelanleihe mit knapp zehn Prozent der Anteile ein. Grammer bestätigte am frühen Dienstagmorgen entsprechende Informationen von manager-magazin.de mit einer Pflichtveröffentlichung.

Jifeng wird damit zum sehnsüchtig erwarteten Gegenspieler der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor. Die hatte zuletzt über zwei Investmentvehikel mehr als 20 Prozent der Anteile an Grammer aufgekauft und angekündigt, dort künftig fünf von sechs Aufsichtsräten der Kapitalseite stellen zu wollen.

Für deutsche Auto-Hersteller wie Volkswagen oder BMW ist das ein Warnsignal: Die Hastors betreiben selbst die Autozulieferer-Gruppe Prevent und hatten sich im Sommer 2016 so mit Volkswagen angelegt, dass sie die Lieferungen stoppten und somit für einen teuren Produktionsausfall bei dem Auto-Giganten sorgten.

Die Furcht ist, dass sich mit Grammer dieses Szenario wiederholt: Die Firma aus Amberg mit einem Umsatz von knapp 1,5 Mrd. Euro und 11 000 Beschäftigten stellt mit Sitzteilen und Mittelkonsolen zwar keine High-Tech-Produkte her, ein Ausfall der Zulieferung würde aber auch hier die Produktion der Auto-Hersteller stark beeinträchtigen.

Ob Jifeng tatsächlich die Hastors stoppen kann, ist aber unsicher: Entschieden wird das spätestens auf der Hauptversammlung am 24. Mai, wo mit der Mehrheit der Stimmen der Aufsichtsrat ausgewechselt werden kann, der dann wiederum die Vorstände austauschen könnte. Die Hastors werden ihr Aktienpaket voraussichtlich nicht auf mehr als 30 Prozent ausbauen, weil sie dann gesetzlich zu einem Übernahmeangebot an alle Aktionäre verpflichtet wären.

Durch ihre Käufe ist aber der Grammer-Kurs bereits so stark gestiegen, dass es auch für Jifeng finanziell anspruchsvoll sein wird, noch deutlich mehr Aktien zu kaufen.

Ihr Einstieg soll daher technisch über eine Zwangswandelanleihe funktionieren, die von den Chinesen vor der Hauptversammlung in Aktien umgewandelt werden kann. Sie geben dafür 60 Millionen Euro aus und erhalten 9,2 Prozent der Aktien, wie Grammer bestätigte.

Um nun in großem Stil weiter Aktien zu kaufen, fehlt den Chinesen das Geld. Jifeng ist selbst nur ein Mittelständler mit rund 200 Millionen Euro Umsatz, der - ähnlich wie Grammer - Elemente für Autositze herstellt und in den vergangenen Monaten schon mehrfach Kontakt zu Grammer-Chef Hartmut Müller wegen eines möglichen Einstiegs aufgenommen hatte. Zu den Kunden zählen VW und BMW in China. Beide Auto-Konzerne sind von dem Engagement Jifengs bei Grammer informiert.

In den kommenden Monaten wird es vor allem für Grammer-Chef Müller nun darum gehen, seine Aktionäre nun auf Jifengs Seite zu bringen, so er seinen Job retten und die Machtübernahme der Hastors bei Grammer verhindern will. Dafür hat er sich Hilfe bei den Investmentbankern von Morgan Stanley und den Anwälten von Ashurst geholt.

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