Montag, 25. März 2019

Grammer-Chef beklagt sich Machtkampf mit Hastor-Familie kostet Grammer Aufträge

Grammer-Testzentrum: Kunden halten sich offenbar mit Aufträgen zurück. Schuld sei der Machtkampf um den Autozulieferer, behauptet der Unternehmenschef
DPA / Grammer
Grammer-Testzentrum: Kunden halten sich offenbar mit Aufträgen zurück. Schuld sei der Machtkampf um den Autozulieferer, behauptet der Unternehmenschef

Die mögliche Übernahme von Grammer durch die umstrittene Investorenfamilie Hastor belastet inzwischen auch die Kundenbeziehungen des bayerischen Autozulieferers. Das Unternehmen verspüre derzeit einen deutlichen Auftragsrückgang, da Kunden mit Vertragsabschlüssen zögerten, sagte Grammer-Chef Hartmut Müller am Dienstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Genauere Zahlen nannte Müller nicht. Viele Kunden des Unternehmens seien besorgt, künftig von einem Zulieferer abhängig zu sein, der von der Hastor-Familie kontrolliert werde, ergänzte der Manager.

Grammer mit weltweit rund 12.000 Mitarbeitern zählt zu seinen größten Kunden die Autobauer VW, Daimler und BMW . Volkswagen selbst hatte sich mit dem der Hastor-Familie gehördenden Zulieferer Prevent im vergangenen Sommer eine heftige Auseinandersetzung geliefert, als dieser die Bänder beim Autobauer zum Stillstand brachte.

Entscheidende Hauptversammlung rückt näher

Die bosnische Familie Hastor hält inzwischen 20 bis 30 Prozent der Grammer-Aktien, will den Vorstandschef ablösen, die Kontrolle im Aufsichtsrat übernehmen und mehr Gewinn machen. Die Entscheidung sollen am 24. Mai die Aktionäre auf der Hauptversammlung in Amberg fällen.

Hart, härter, Hastor: Wie die Prevent-Gruppe die Autobranche aufmischt

Im Kampf um die Macht bei Grammer hatte der bosnische Großaktionär zuletzt einen Etappensieg errungen. Das Landgericht Nürnberg-Fürth untersagte Grammer in einer einstweiligen Verfügung, neue Aktien an den chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng auszugeben, der Grammer quasi als "weißer Ritter" den aggressiven Investor aus Bosnien vom Hals halten soll.

Kritisch äußerten sich zuletzt Verbände der Industrie, aber auch in der Politik wird der Machtkampf mit Sorge gesehen. Die IG Metall will am Tag der Hauptversammlung die Belegschaften an allen Grammer-Standorten in Deutschland und Tschechien zu Protestaktionen aufrufen.

rei/dpa-afx

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