Freitag, 19. Oktober 2018

Grammer AG wird Investor Hastor los Autozulieferer Grammer jetzt in chinesischer Hand

Ein Mitarbeiter arbeitet in der Produktion beim Autozulieferer Grammer an Fahrersitzen.

Das jahrelange Ringen hat ein Ende: Die Investorenfamilie Hastor steigt bei dem bayerischen Autozulieferer Grammer aus. Jetzt ist Grammer mehrheitlich in chinesischer Hand. Der Autozulieferer Jifeng hält 74 Prozent der Anteile, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Mit Hastor lagen der Vorstand, Arbeitnehmer und Kunden von Grammer im Streit.

Gewerkschafter und Investmentbanker reagierten erfreut. Der Amberger IG-Metall-Chef und stellvertretende Grammer-Aufsichtsratschef Horst Ott sagte, mit Jifeng komme der Zulieferer jetzt in ruhigeres Fahrwasser. Jifeng hat vertraglich zugesichert, dass Grammer selbstständig und börsennotiert bleibt. Alle Standorte werden für fünf Jahre und alle Arbeitsplätze für siebeneinhalb Jahre garantiert.

Die Investmentbank Oddo BHF erwartet, dass Autohersteller, die sich wegen schlechter Erfahrungen mit den Hastors zurückgehalten hätten, nun wieder mehr bestellen würden. Grammer dürfte daher profitabler werden. Die Aktie legte am Donnerstag leicht zu.

Die bosnische Familie Hastor hatte 19 Prozent der Grammer-Anteile gehalten. Sie war Anfang 2016 bei Grammer eingestiegen und versuchte, Vorstand und Aufsichtsrat neu zu besetzen. Das scheiterte aber am geschlossenen Widerstand der anderen Aktionäre, der Arbeitnehmer und der Politik.

Für die Hastors hat sich der Stress gelohnt

Die Hastors zerstritten sich auch mit den beiden wichtigsten Grammer-Kunden VW und Daimler. Hastor-Zulieferfirmen hatten 2016 die VW-Bänder in Wolfsburg und Emden vorübergehend stillgelegt.

Für die bosnische Investorenfamilie hat sich das Engagement bei Grammer finanziell gelohnt: Sie hat gut 50 Millionen Euro daran verdient.


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Grammer beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 2000 am Hauptsitz Amberg. Das Unternehmen stellt Mittelkonsolen und Kopfstützen für Autos her sowie Sitze für Baumaschinen und Traktoren. An der Börse ist Grammer rund 770 Millionen Euro wert.

Seitens der Politik gab es keine Bedenken gegen die Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen. Dabei hatte die Bundesregierung kürzlich den Einstieg eines chinesischen Staatskonzerns beim deutschen Stromnetzbetreiber 50 Hertz verhindert und ist gerade dabei, die Hürden für Übernahmeversuche in sensiblen Bereichen zu erhöhen. Die Volksrepublik China will in 30 Jahren in sämtlichen wichtigen Industriesparten führend sein. Dazu kaufen chinesische Investoren auch europäische Technologiefirmen. Schlagzeilen machten der Geely-Einstieg bei Daimler und die Übernahme des Roboterbauers Kuka.

kyr/dpa

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