Mittwoch, 24. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Seniorin testet selbst fahrendes Google-Auto Googles Roboterauto  - perfektes Vehikel für Rentner?

Prototyp des Google-Roboterautos: Für Senioren wäre es ein ideales Fortbewegungsmittel, meinen Fachleute

Solche enthusiastischen Statements hören die Ingenieure, die Googles selbstfahrendes Auto entwickeln, wohl nicht alle Tage. "Man hat nicht richtig gelebt, bevor man einmal in so einem Auto mitgefahren ist", sagte Florence Swanson über ihre halbstündige Testfahrt in einem Google-Roboterauto. "Ich habe mich komplett sicher gefühlt", erklärte die Seniorin dem Magazin Bloomberg Businessweek.

So viel Vertrauen in High-Tech ist ungewöhnlich für eine 94-jährige, die mit ihrem Bild eines Gitarrespielers einen Google-Wettbewerb gewann. Deshalb durfte sie eine halbe Stunde lang mit dem selbstfahrenden Auto durch Austin, Texas kutschieren. Was die Seniorin, die bislang älteste Testerin eines selbst fahrenden Fahrzeugs der Google-Flotte, noch beeindruckte: "Ich konnte nicht glauben, dass das Auto reden konnte".

Die Testfahrt der rüstigen Dame ist ein Zeichen dafür, dass Google nicht in jungen Tech-Nerds eine potenzielle Zielgruppe sieht für sein autonomes Auto. Der IT-Konzern setzt auch am anderen Ende der Altersskala an. Es gibt da nur noch ein kniffliges Vertrauensproblem - für dessen Lösung der Konzern aber noch ein paar Jährchen Zeit hat.

Wie stark der Konzern schon jetzt Senioren als Nutzergruppe anvisiert, lässt ein Werbevideo für Googles eiförmigen Roboterauto-Prototypen erahnen. In dem kurzen Film steigen mehrere Personen in den selbstfahrenden Zweisitzer ein. Unter ihnen sind auffallend viele ältere Semester. John Krafzik, der Leiter von Googles Abteilung für selbstfahrende Autos, erwähnte Swansons positive Erlebnisse zuletzt in einer Präsentation. Dabei philosophierte er auch gleich darüber, dass Mobilität all jenen Millionen Menschen möglich sein sollte, die nicht das Privileg eines Führerscheins haben.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter
Gerade für ältere Menschen, die nicht mehr selbst am Steuer sitzen können oder wollen, wären komplett selbstfahrende Autos ein Segen. Im Roboterauto könnten sie zum Arzt fahren, Familien oder Freunde besuchen oder Einkäufe machen - ohne dabei auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

"Ältere werden die ersten Smart Car-Nutzer sein"

Und die potenzielle Zielgruppe dafür ist in den USA groß. Rund 43 Millionen Amerikaner sind derzeit über 65 Jahre alt. Vier Fünftel von ihnen leben in Vororten oder ländlichen Gebieten, wo sie öfters längere Strecken zurücklegen müssen. Die US-Verkehrsstatistiken zeigen, dass ältere Menschen länger ihre Autos behalten und mobil bleiben wollen - trotz der im Alter steigenden gesundheitlichen Einschränkungen.

Roboterautos würden Senioren eine sichere und angenehme Art der persönlichen Mobilität bieten, argumentieren Experten deshalb. Manche von ihnen sind geradezu euphorisch über die Chancen der Autos bei der Generation ab 50 Jahren aufwärts. "Zum ersten Mal in der Geschichte werden ältere Menschen eine neue Technologie als allererste in ihren Lebensstil integrieren", meint der Leiter eines MIT-Labors gegenüber Bloomberg. "Junge Leute mögen zuerst Smartphones in ihren Händen gehabt haben, aber die über 50 Jahre alten Verbraucher werden die ersten mit Smart Cars sein".

Was älteren Menschen am Google Car fehlt

Doch bis es so weit ist, müssen die Anbieter autonomer Autos noch eine große Hürde nehmen - neben der Tatsache, dass komplett selbstfahrende Autos noch ein gutes Jahrzehnt von ihrer Marktreife entfernt sind. Längst nicht alle Senioren sind so technikbegeistert wie die 94-jährige Swanson.

Jüngere Menschen tendieren eher dazu, Technologien ohne großes Hinterfragen zu vertrauen. Ältere Menschen, so warnen US-Fachleute, wollen eher verstehen, was dabei genau vor sich geht. Geräte, über deren Funktion sie wenig bis keine Kontrolle haben, lösen in älteren Menschen nur wenig Enthusiasmus aus.

Und genau das könnte ein Image-Problem werden für Googles Roboterauto, das letztlich ohne Lenkrad und Pedale auskommen soll. Googles Marketing-Mannschaft wird sich also noch einiges einfallen lassen müssen, wenn sie dereinst Senioren ihre selbstfahrenden Autos schmackhaft machen will. Immerhin: Ein paar Jahre Erklär-Zeit bleibt dem kalifornischen Konzern ja noch.


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH