Samstag, 16. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Selbstfahrende Autos Die Google-Kugel verschwindet von der Straße

Prototyp des Google-Autos Firefly

Als Google vor drei Jahren kleine selbstfahrende Elektromobile aus eigener Entwicklung vorstellte, war die Aufregung in der Autobranche groß. Doch jetzt holt Google die Gefährte von der Straße - will lieber die Autobauer von seiner Technologie überzeugen.

Die markanten Google-Roboterwagen aus eigener Entwicklung des Internet-Konzerns werden nach rund drei Jahren auf der Straße ausgemustert. Die kleinen elektrischen Zweisitzer seien von Anfang an zum Experimentieren und nicht für die Massenproduktion gedacht gewesen, betonten Manager der Google-Schwesterfirma Waymo in der Nacht zum Dienstag.

Waymo konzentriere sich künftig darauf, ihre Roboterwagen-Technologie in Fahrzeuge anderer Hersteller zu integrieren. Aktuell werden mehr als 500 Pacifica-Minivans von Fiat Chrysler damit ausgerüstet. Familien in Arizona sollen sie testweise im Alltag nutzen.

Die Vorstellung der eigenen Google-Wagen hatte 2014 die Autoindustrie aufhorchen lassen. Der Internet-Konzern hatte zwar schon damals betont, man wolle nicht selbst zum Autohersteller werden. Aber die kugeligen Fahrzeuge mit ihrer freundlichen Smiley-Frontpartie konnten als Prototyp für ein Robotertaxi-Netzwerk in Städten gesehen werden. Branchenbeobachter spekulierten, Google könne mit den Fahrzeugen eine Blaupause für künftige Mobilität in den Städten liefern und Chefs großer Hersteller betonten, sie würden nicht zu Auftragsfertigern von Autos nach Plänen des Internet-Konzerns.

Die Google-Kugel sollte Lenkrad oder Pedale auskommen

Google hatte ganz eindeutig weitreichendere Pläne für die Elektromobile - so verkündete der Konzern die Absicht, in den Wagen mit der Zeit ganz ohne klassische Steuerelemente wie Lenkrad oder Pedale auszukommen und die Kontrolle ganz dem Computer zu überlassen. Dazu kam es im regulären Testbetrieb nicht: Die US-Behörden betonten, dass sie derzeit noch Lenkräder und Pedale für unverzichtbar halten. Aber zum Beispiel in einer Testfahrt im Jahr 2015 in Austin in Texas war einer der Google-Roboterwagen komplett autonom unterwegs, ohne dass ein Mensch hätte eingreifen können.

In der Spitze waren rund 70 Prototypen mit dem Namen "Firefly" auf der Straße in der Google-Heimatstadt Mountain View sowie in Austin in Texas unterwegs. Sie boten allerdings nur eingeschränkten Komfort und hatten eine Höchstgeschwindigkeit von rund 40 Kilometern pro Stunde, was oft andere Fahrer irritierte. Nachdem Ende 2016 das Roboterwagen-Projekt unter der Führung der erfahrenen Automanagers John Krafcik in die Google-Schwesterfirma Waymo ausgelagert wurde, zeichnete sich bereits ab, dass der Fokus künftig auf dem Einbau der Technik in Fahrzeuge anderer Hersteller liegen wird.

Dutzende Firmen arbeiten an Technologie für selbstfahrende Autos

Google hatte bereits 2009 umgebaute Toyotas mit seiner Technologie auf die Straße gebracht um mit der öffentlichen Vorstellung des Projekts ein Jahr später die Autobauer aufgeschreckt. Inzwischen arbeiten auch viele Hersteller und Zulieferer sowie zahlreiche Start-ups und auch andere Tech-Firmen wie Apple, Uber und Intel an Technologie für selbstfahrende Autos. Allein in Kalifornien haben derzeit 33 Unternehmen eine Erlaubnis für Tests autonomer Fahrzeuge. Es wird davon ausgegangen, dass weitgehend selbstfahrende Autos in drei oder vier Jahren regulär auf die Straße kommen können.

Lesen Sie auch: Uber feuert von Google geholten Roboterauto-Experten

Der Waymo-Mutterkonzern Alphabet macht sich nach wie vor Hoffnungen, seine Technik im Fahrzeugen weiterer Hersteller unterzubringen. Als ein Kandidat war eine Zeit lang Ford gehandelt worden - aber die Gespräche scheiterten laut Medienberichten Ende 2015 an unterschiedlichen Vorstellungen der Unternehmen. Ford setzte daraufhin auf die Entwicklung eigener Roboterwagen und machte jüngst den dafür zuständigen Manager Jim Hackett zum Konzernchef.

rei/dpa

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH