Sonntag, 26. Juni 2016

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Teilautonomes Fahren GM wagt sich an selbstfahrende Autos heran

Neues Cadillac-Modell CTS: Ab 2017 sollen die Autos der GM-Nobelmarke auch phasenweise selbstständig auf Autobahnen fahren können

Es klingt nach geballter Ladung High-Tech: Ab 2017 sollen Autos von General Motors auf Autobahnen zeitweise selbstständig fahren. Eine Technik-Revolution entfacht GM damit kaum - denn vieles davon ist bereits heute in deutschen Oberklassewagen möglich.

Hamburg - Lange hat der größte US-Autohersteller General Motors (GM) beim Thema autonomes Fahren eher bedeckt gehalten. Dabei forschen die Amerikaner - wie sämtliche große Konkurrenten - schon seit Jahren an Fahrzeugen, die selbständig lenken und bremsen können. Doch nun wagen sich die Amerikaner scheinbar aus der Deckung.

Bereits ab 2017 will GM Autos bauen, die unterwegs zeitweise ohne Eingriff des Fahrers auskommen, erklärte GM-Chefin Mary Barra auf einer Konferenz zu intelligenten Fahrsystemen in Detroit. Ein System mit dem Namen "Super Cruiser" soll es ermöglichen, dass bestimmte Modelle der Marke Cadillac im Stau oder bei langen Autobahnfahrten selbst die Geschwindigkeit anpassen und die Spur halten können.

Die entsprechende Presseaussendung war eher zurückhaltend formuliert - und dafür hatte GM wohl gute Gründe. Denn was die Amerikaner für 2017 ankündigen, verspricht bei näherer Betrachtung zwar viel Komfort, ist aber alles andere als revolutionär.

Die neuen Cadillacs sollen "unter bestimmten Fahrbedingungen auf der Autobahn" automatisch der Spur folgen und dabei selbständig beschleunigen und bremsen können, erklärt GM. Das soll "hands-off" möglich sein, Fahrer müssen ihre Hände also nicht am Lenkrad lassen. All das, so verspricht der US-Autohersteller, soll den Komfort von aufmerksamen Fahrern erhöhen, sowohl im Stau als auch auf Langstreckenfahrten.

Was GM vorhat, schafft Mercedes S-Klasse teils schon heute

"Wir machen das nicht einfach um der Technologie willen. Wir machen das, weil Kunden auf der ganzen Welt es so wollen", erklärte Barra. Es gehe darum, den Autoverkehr sicherer zu machen. Die Nachfrage nach entsprechender Technik sei nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und China vorhanden.

Das mag alles stimmen - einen großen Technologieschritt voran versprechen Barras Ankündigungen jedoch nicht. Denn die von GM versprochenen Funktionen gibt es in sehr ähnlicher Form bereits heute zu kaufen - in deutschen Oberklasse-Limousinen.

Mercedes vor einem Jahr erneuerte S-Klasse etwa lässt sich neben einem Abstandsregeltempomaten auch um ein System für das "teilautonome Staufolgefahren" aufrüsten. Das klingt deutlich technischer als bei GM, kommt den von GM angekündigten Funktionen aber ziemlich nahe. Bis 60 km/h fährt die S-Klasse auf Wunsch automatisch dem vorausfahrenden Fahrzeug hinterher. Dabei lenkt, bremst und beschleunigt die S-Klasse selbständig und hält auch noch den voreingestellten Abstand zum Vordermann ein. Einzige Bedingung: Der Fahrer muss aus Sicherheitsgründen weiterhin die Hände am Lenkrad lassen. Tut er dies nicht, ertönen Warnsignale, bevor sich das System abschaltet.

Die Konkurrenz von Audi und BMW beherrscht das Abstandhalten im Stau, das selbständige Lenken bieten die beiden Konkurrenten in dieser Form jedoch noch nicht an.

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