Dienstag, 27. September 2016

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BMW muss Angaben für den Mini korrigieren Wer in Amerika beim Spritverbrauch trickst, zahlt Kunden Millionen

Dreckiges Dutzend: Diese zwölf Autos schlucken in Europa angeblich viel weniger Sprit als in den USA
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Mini

In Europa dürfen Autobauer beim Spritverbrauch der Fahrzeuge tricksen - Kontrollen gibt es kaum. In den USA gehen die Behörden dagegen hart gegen Hersteller vor, deren Angaben nicht stimmen. Ihnen drohen finanzielle Einbußen und ein Imageschaden. Jetzt hat es den Mini von BMW erwischt.

Hamburg - Mini-Händler in den USA bekommen derzeit unerfreuliche Post vom Mutterkonzern BMW. Inhalt: Neue Verkaufsetiketten für vier Mini-Modelle mit neuen, schlechteren Benzinverbrauchs-Werten. Die US-Umweltbehörde EPA hatte die früheren Angaben überprüft und herausgefunden, dass diese deutlich zu niedrig angesetzt waren - im Extremfall um 0,7 Liter auf 100 Kilometer, wie das Wall Street Journal (€) berichtet.

So geht die EPA in den USA häufig vor. Auch Mercedes-Benz, Ford und Hyundai/Kia mussten ihre Angaben zuletzt korrigieren, nachdem die staatlichen Tester sie für zu optimistisch befunden haben. Mal sind es routinemäßige Prüfungen, mal lösen Autofahrer, die vom tatsächlichen Verbrauch enttäuscht sind, die Untersuchungen aus.

Für Hyundai und Kia wurde es sogar richtig teuer. Nachdem die Behörde zu hohe Verbrauchswerte festgestellt hatte, änderten die Hersteller die Angaben bei jedem dritten Modell und versprachen den wütenden Autofahrern Entschädigungen.

Diese könne sich pro Kunde auf mehr als 700 Dollar belaufen, wie Hyundai vorrechnet. Der Schaden addierte sich für die koreanischen Hersteller laut einer Analystenschätzung auf 362 Millionen Dollar. Hinzu kam ein veritabler Imageschaden.

Auch BMW hat nun ein Problem. Allerdings haben die Münchener Angaben korrigiert, nach denen sie die betroffenen Mini-Halter finanziell entschädigen werden. "Da es sich nur um eine geringfügige Änderung der Verbrauchsangaben handelt, sind Zahlungen an Kunden nicht vorgesehen", teilte ein Unternehmenssprecher manager magazin mit. Zunächst hatte BMW die Frage nach Entschädigungen gegenüber manager magazin bejaht und erklärt, die US-Händler gingen aus diesem Grund jetzt auf die Fahrer zu (siehe Anmerkung am Ende des Textes).

Während Autofahrer in den USA gute Chancen haben, wegen realitätsferner Angaben zum Verbrauch entschädigt zu werden, ist so etwas in Europa praktisch undenkbar. Dort sehen sich Autohersteller praktisch nie offiziellen Nachprüfungen der Verbrauchswerte ausgesetzt. Und sollte es doch einmal passieren, erfährt die Öffentlichkeit davon nichts, kritisiert der Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Was die Kunden ärgert, schützt die Hersteller. Denn das hiesige offizielle Messverfahren gemäß dem "Neuen Europäischen Fahrzyklus" (NEFZ) gilt als äußerst lasch - die ermittelten Angaben haben mit dem realen Verbrauch wenig zu tun.

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