Freitag, 24. November 2017

Siemens' Chefkontrolleur wechselt zu Auto1 Von Siemens zum Gebrauchtwagen-Startup: Crommes dritte Karriere

Gerhard Cromme - künftig auch im Hoodie?

Das Gebrauchtwagen-Start-up Auto1 wird künftig von einem der prominentesten deutschen Aufsichtsräte kontrolliert: Gerhard Cromme, scheidender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Siemens AG, ehemaliger CEO von Thyssenkrupp und Mitgründer der Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung, soll nach Informationen von manager-magazin.de künftig den Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens führen. Auto1, zu dem etwa das Onlineportal wirkaufendeinauto.de gehört, kam 2016 auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, macht aber keine Angaben zum Ergebnis.

Die Verpflichtung Crommes ist für das zuletzt stürmisch gewachsene Auto1 ein wichtiger Erfolg bei dem Versuch, ein professionelles Kontrollgremium zu etablieren. Das Berliner Unternehmen, das europaweit Gebrauchtwagen ankauft und an Händler vermittelt, gilt als aussichtsreicher Kandidat für einen Börsengang - was die Gründer und Geschäftsführer Hakan Koc und Christian Bertermann bislang jedoch vehement ablehnen. Auto1 bestätigte die Personalie Cromme, wollte sich zu weiteren Details in Sachen Aufsichtsrat aber nicht äußern.

Cromme vertraue "schon seit längerem in uns und unser Unternehmen", sagte Auto1 Co-CEO Koc manager-magazin.de. Vor wichtigen Entscheidungen rufe er "Gerhard" an und frage ihn um Rat. Cromme selbst, der am 25. Februar 75 Jahre alt wird und dessen Amtszeit Anfang 2018 bei Siemens endet, lässt sich in einer Mitteilung von Auto1 mit folgendem Satz zitieren: "Nach meiner Zeit bei Siemens freue ich mich besonders auf den Aufsichtsratsvorsitz dieses jungen Unternehmens und eines der erfolgreichsten Startups Europas."

Neben dem prominenten Aufsichtsrat kann sich Auto1 zudem über frisches Geld freuen: So hat der malaysische Staatsfonds Khazanah Nasional im September in das Unternehmen investiert. Die Summe der Finanzspritze sowie die zugrundeliegende Bewertung blieben unklar, das Investment indes bestätigte eine Sprecherin des Start-ups auf Anfrage.

Auto1 war in den letzten Tagen wegen einer möglichen Beteiligung des Softbank Vision Funds in die Schlagzeilen geraten. Bloomberg meldete, dass es wohl um 100 Millionen zu einer Bewertung von über 2,5 Milliarden Euro gehen soll. Es wäre das erste Investment von Softbank in Deutschland. Der Vision Fund ist mit einem Volumen von 93 Milliarden US-Dollar der derzeit größte Technologiefonds der Welt und ist etwa in das Co-Working-Startup WeWork investiert. Ein Einstieg in den Taxidienst Uber wird gerade verhandelt. Hinter dem Fonds steht der japanische Telekommunikationskonzern Softbank, dessen Gründer und CEO Masayoshi Son als einer der versiertesten Tech-Investoren der Welt gilt. Auto1 wollte sich auf Anfrage nicht zu möglichen Gesprächen mit Softbank äußern.

Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte Auto1 im Rahmen einer Finanzierungsrunde 360 Millionen Euro in Form von Wagniskapital und Krediten eingesammelt. Investoren wie Target Global und Baillie Gifford sollen das Unternehmen damals mit gut 2,5 Milliarden Euro bewertet haben.

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