Montag, 26. September 2016

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Akkus fürs Elektroauto Experten zweifeln an Teslas Riesen-Batteriefabrik

Model S vor einem Verkaufsraum: Teslas geplante Batteriefabrik soll die Kosten für die teuren Elektroauto-Akkus um mindestens ein Drittel senken

Für fünf Milliarden Dollar will der US-Elektroautohersteller Tesla eine riesige Batteriefabrik errichten. Deren Akkus sollen Teslas Elektroautos deutlich günstiger machen. Nun warnen Experten vor möglichen Risiken.

San Francisco - Diese Ankündigung ließ die Autobranche vor knapp drei Monaten aufhorchen: Ende Februar erklärte der Elektroautohersteller Tesla, in den USA eine riesige Fabrik für Lithium-Ionen-Akkus errichten zu wollen. Die "Gigafactory", wie sie Tesla nennt, soll ab 2017 die ersten Elektroauto-Batterien produzieren, bereits im Juni will Tesla mit dem Bau des Werks beginnen.

Insgesamt fünf Milliarden Euro wollen Tesla und seine Partner in das Batteriewerk investieren, das ab 2020 mehr Lithium-Ionen-Akkus produzieren soll als alle heutigen Batteriehersteller zusammengenommen. Teslas Kalkül dabei ist simpel: Die schiere Größe des Werks soll die Kosten für die teuren Batterien deutlich senken.

Tesla-Chef Elon Musk deutete an, dass er mit Einsparungen von mindestens 30 Prozent rechne. In der Endausbaustufe soll das Werk jährlich 500.000 Elektroauto-Akkus pro Jahr herstellen. Sie sollen zu einem großen Teil in Teslas geplantem Massenmodell eingesetzt werden, das rund 35.000 Dollar kosten soll. Zum Vergleich: Teslas Model S wird in Deutschland ab rund 70.000 Euro verkauft.

Eine rasante Ausweitung der Batterie-Herstellungskapazitäten war lange Zeit auch das Ziel der US-Regierung unter Barack Obama. Doch die bisherigen Versuche verliefen wenig erfolgreich. Mehrere Hersteller, die in den USA Batteriefabriken aufbauten, mussten Insolvenz anmelden. Die US-Wirtschaftszeitung Wall Street Journal (WSJ) hat vor diesem Hintergrund vier Experten zu Teslas ehrgeizigen Akku-Plänen befragt. Die Fachleute kommen zu zwiespältigen Urteilen.

Ein enormer "Würfelwurf" für Tesla

Sehr skeptisch gibt sich gegenüber dem WSJ der Forscher K.M. Abraham vom Northeastern University Center for Renewable Energy Technology. Er könne nicht erkennen, wie Tesla die Kosten um mehr als 20 Prozent senken wolle. Die Energiedichte der Lithium-Ionen-Akkus gelange bereits an ihr Limit, so Abraham. Noch sei die kommerzielle Nutzung der nächsten Batteriegeneration allerdings gut 25 Jahre entfernt. Und auch die möglichen Skaleneffekte durch schiere Größe hält er für ziemlich ausgereizt.

Als enormes "Würfelwerfen" bezeichnet Peter Wells, Professor am Center for Automotive Industry Research der Wirtschaftsuni Cardiff, den Vorstoß von Tesla. Dass die klassischen Autohersteller bei Elektroautos so konservativ seien, habe Gründe: Es gebe "größere Bedenken" bei Sicherheit, Verlässlichkeit und Kundenvertrauen. Wenn Tesla sein Batteriewagnis misslinge, werde darunter die gesamte Elektroauto-Branche leiden. Doch die Kalifornier könnten damit auch die Art und Weise ändern, wie wir Autos benutzen und wie wir dafür bezahlen. Wells meint, dass sich mit einer Riesenfabrik eine Menge Kosten sparen lassen. Doch entscheidend dabei sei der Kapazitätsnutzungsgrad.

Der ehemalige Toyota-Manager Bill Reinert hält es gegenüber dem WSJ für klüger, langsamer vorzugehen. Das schlimmste sei es, für hohe Stückzahlen zu planen und diese dann nicht zu erreichen.

Auch David Vieau, Ex-Chef des in die Pleite gerutschten US-Batteriespezialisten A123 Systems, warnt vor Risiken. Bereits 2008 sei klar gewesen, dass es langfristig einen Markt für Elektroautos geben werde. Doch es sei sehr schwer, die Nachfrage nach Akkus mehrere Jahre im Voraus abzuschätzen. Für Tesla könne die Fabrik zum enormen Erfolg werden - oder zum riesigen Stolperstein. Mit seinen Werksplänen mache Tesla klar, dass sie dringend mehr Batterien benötigen. Doch ihre Lieferanten werden wohl kaum die damit verbundenen Risiken eingehen - deshalb nehme Tesla einen Großteil der Gefahren auf sich. Die mit dem schnellen Wachstum verbundenen Gefahren bleiben so bei Tesla.

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