Sonntag, 9. Dezember 2018

Rauer Wind in der Autoindustrie Was GMs harte Einschnitte für VW und Co bedeuten

GM-Autofabrik in Kanada: Insgesamt fünf Produktionsstätten in Nordamerika will der US-Autoriese schließen

Für General Motors Börsen-Chart zeigen (GM) ist es der größte Umbau seit der Pleite in der Finanzkrise vor zehn Jahren: Mehrere Werke in Nordamerika will der größte US-Autohersteller schließen, fast 15.000 Jobs sollen wegfallen. US-Präsident Donald Trump reagierte erwartungsgemäß wütend: Er drohte GM mit Subventionskürzungen und empfahl GM-Chefin Mary Barra, lieber die Autoproduktion in China zu stoppen. Erfreut von den radikalen Sparplänen zeigte sich nur eine Gruppe: Die Investoren. Der Kurs der GM-Aktie Börsen-Chart zeigen legte nach der Ankündigung um 4,8 Prozent zu.

GM will die Axt ziemlich beherzt schwingen: Bis Ende 2020 will GM jährlich 6 Milliarden Dollar sparen. Die Kosten sollen dabei um 4,5 Milliarden Dollar sinken, die Investitionen von 8,5 auf sieben Milliarden Dollar im Jahr heruntergefahren werden. Insgesamt 15 Prozent der Belegschaft sollen das Unternehmen verlassen, jede vierte Managerstelle fällt weg.

Das soll den US-Autobauer fit machen für einen Sturm, der sich laut GM selbst für die globale Autobranche gerade zusammenbraut. Autohersteller müssen in den kommenden Jahren viel Geldin Elektromobilität und autonomes Fahren investieren. Zugleich steigen die Kosten, die Pkw-Nachfrage fällt in den beiden weltgrößten Automärkten China und USA. GM ist mit seinen Einschnitten früh dran, loben Branchenbeobachter. Das Vorpreschen erhöht den Druck auf GMs US-Rivalen, sich mit ihren Sparplänen ebenfalls aus der Deckung zu wagen - und könnte die Vorhut sein für neue Sparrunden in der gesamten Branche.

Denn die von Trump angezettelten Handelsstreitigkeiten der vergangenen zwei Jahre treffen die Autoproduzenten hart. In den USA machen die Sonderzölle auf Stahl und Aluminium auch Vorprodukte teurer, was sich in höheren Materialkosten niederschlägt. Zusätzlich zu den Zollstreit-Auswirkungen verschieben sich auch die Autokäufer-Präferenzen: Konsumenten lassen kleinere Modelle links liegen und kaufen lieber größere, stärkere Fahrzeuge. In China sind die Autoverkäufe zuletzt stark zurückgegangen - wegen fallender Wachstumsraten und weil die Autokäufer die Auswirkungen des Zollstreits mit den USA spüren.

Analysten loben GM für seine Voraussicht

Diese Gemengelage sorgt nicht nur bei GM, sondern auch bei Konkurrenten für Aufregung. Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen haben Gewinnwarnungen veröffentlicht, bei denen sie die Zollstreitigkeiten als einen der Gründe anführen. Der chinesische Geely-Konzern verschob wegen des unsicheren Umfelds den Börsengang seiner Luxustochter Volvo. All das werten Branchenkenner als Anzeichen, dass der jahrelange weltweite Boom der Autoindustrie nun zu Ende gehen könnte.

Für ihre Umbaupläne bekommt GM-Chefin Barra Lob von Analysten. GM steuere rechtzeitig um, bevor die Autokonjunktur zurückgehe, meint etwa Autoanalyst Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI. "Besser ich reagiere heute, wo ich das Geld dafür habe und warte nicht, bis der Steuerzahler mich wieder raushauen muss." GM war vor etwa zehn Jahren in die Pleite gerutscht und musste vom Staat gestützt werden. Seither hat sich GM aber berappelt und steht besser da als der direkte heimische Rivale Ford Börsen-Chart zeigen .

Auch Ford will bald Richtung Krisenmodus wechseln: Das Unternehmen plant Kostensenkungen in Höhe von 14 Milliarden Dollar. Allerdings will Ford die konkreten Maßnahmen dafür erst im zweiten Quartal 2019 verkünden. Das könnte für die deutschen Werke bitter werden. Denn Beobachter rechnen damit, dass Ford härter in Europa und Südamerika durchgreifen wird. In beiden Regionen schreibt Ford aktuell Verluste.

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