Sonntag, 9. Dezember 2018

Werksschließungen möglich General Motors streicht Tausende Jobs in USA

GM-Chefin Mary Barra: Tiefgreifender Konzernumbau nötig - bis zu 5 Werke könnten geschlossen werden

US-Präsident Donald Trump will Amerikas Industrie zu neuem Glanz verhelfen, doch der größte Autohersteller des Landes baut Tausende Stellen ab. General Motors (GM) kündigte am Montag an, seine Belegschaft in Nordamerika massiv zu reduzieren. Die Maßnahme ist Teil eines großen Sparprogramms, mit dem der Konzern fit für die Zukunft gemacht und die Kosten drastisch gesenkt werden sollen. GM-Chefin Mary Barra begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, sich den verändernden Marktbedingungen anzupassen.

Es gehe darum, "das Unternehmen für langfristigen Erfolg zu positionieren", verkündete Barra in einer Pressemitteilung. GM will verkaufsschwache Modelle einstellen und sich bei Investitionen künftig stärker auf innovative Bereiche wie Elektromobilität und selbstfahrende Autos konzentrieren. Dafür ist laut Barra ein tiefgreifender Konzernumbau nötig.

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Bild: REUTERS, GM Handout, CBS

In den USA und Kanada könnten bis Ende 2019 fünf Fertigungsstätten geschlossen werden - rund 6000 Fabrikarbeiter würden dann ihre Jobs verlieren.

Zudem soll der Betrieb in zwei internationalen Werken eingestellt werden. Aus dem chronisch defizitären Europageschäft mit der deutschen Ex-Tochter Opel und der britischen Marke Vauxhall hatte sich GM bereits 2017 verabschiedet. Letztlich hatte der US-Konzern bei der Veräußerung der problematischen Beteiligung an die französische PSA -Gruppe 6,2 Milliarden Dollar draufzahlen müssen.

Bis zu 15.000 Jobs bedroht - Kosten sollen bis 2020 um 4,5 Milliarden Dollar sinken

Nun kündigte GM an, die Angestelltenzahl in Nordamerika insgesamt um etwa 15 Prozent zu verringern. Ein Viertel davon umfasst Führungspositionen, das soll die Entscheidungsprozesse laut GM vereinfachen. Der Personalabbau könnte laut US-Medien zwischen 10 000 und 15 000 Mitarbeiter betreffen. Es blieb zunächst unklar, ob und inwiefern darin Beschäftigte erfasst sind, denen zuletzt bereits Abfindungsangebote unterbreitet worden waren. Das Unternehmen war für detailliertere Erklärungen zunächst nicht erreichbar.

Fest steht: Durch die Maßnahmen will GM die Kosten bis 2020 um rund 4,5 Milliarden Dollar drücken. Zunächst werden durch Sonderaufwände wie kündigungsbedingte Abfindungen jedoch Belastungen von bis zu 3,8 Milliarden Dollar entstehen. An der Börse kamen die Nachrichten gut an - die GM-Aktie reagierte mit kräftigen Kursgewinnen und stand zuletzt mit 5,7 Prozent im Plus. Eigentlich liefen die Geschäfte bei GM zuletzt rund - im Sommerquartal stieg der Umsatz um 6,4 Prozent, der Nettogewinn betrug überraschend starke 2,5 Milliarden Dollar.

Für US-Präsident Trump dürften die Entlassungen ein großes Ärgernis sein - er hat versprochen, der US-Industrie zu einem großen Comeback zu verhelfen und mehr Jobs zu schaffen als je ein US-Präsident zuvor. Die im Rahmen seiner "Amerika zuerst"-Politik angezettelten Handelsstreitigkeiten hatten für US-Autobauer wie GM und Ford bislang jedoch auch erhebliche negative Folgen - so kämpfen die Branchenschwergewichte wegen Strafzöllen auf wichtige Verarbeitungsgüter wie Stahl mit gestiegenen Materialkosten.

Trumps Reaktion ließ dann auch nicht lange auf sich warten, doch statt eines zornigen Tweets oder sonstiger Attacken ließ der US-Präsident es für seine Verhältnisse zunächst relativ ruhig angehen. "Es gefällt uns nicht", sagte Trump Reportern in Washington zum geplanten Jobabbau von GM lediglich. Das Land habe viel für den Konzern getan und man sei in der Lage, großen Druck auf GM auszuüben, so der US-Präsident vor dem Abflug zu einem Wahlkampfauftritt in Mississippi. Dem "Wall Street Journal" sagte Trump, er habe bereits am Sonntagabend mit GM-Chefin Barra über deren Pläne gesprochen

la/dpa-afx

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