Freitag, 22. Februar 2019

Gefahrenquelle Autoelektronik Wie Hacker Autos manipulieren

Automechaniker mit Laptop: Noch benötigen Hacker physischen Zugang, um Fahrzeuge zu manipulieren

Es ist die Horrorvorstellung jedes Autofahrers: Plötzlich lenkt sein Fahrzeug selbst - ferngesteuert von Hackern. Noch ist das nicht gelungen. Doch durch die stärkere Vernetzung von Autos steigen die Gefahren. Ein Überblick zeigt die möglichen Einfallstore.

Sie fahren in Ihrem Wagen auf der Autobahn, die Sicht ist gut, es sind nur wenige Autos unterwegs. Plötzlich beginnen die Anzeigen in ihrem Auto verrückt zu spielen. Die Tachonadel zuckt unkontrolliert, der Bildschirm in der Mittelkonsole fällt komplett aus. Im Wageninneren gehen alle Lichter an. Sie treten auf die Bremse - doch nichts passiert. Dann bewegt sich das Lenkrad ohne ihr Zutun.

Diese Horrorvorstellung jedes Autofahrers beschrieb die englische Financial Times (FT) in einem Artikel - als modernen Albtraum. Denn das fiktive Auto hat keine simple Panne, es wurde gehackt.

In der Realität ist das in dieser Form bislang noch nicht vorgekommen. Doch die Gefahr steigt, dass dies eines Tages gelingt, schreibt die FT. In Autos werden immer mehr Fahrzeugteile und Funktionen von Computern gesteuert. Das bietet Hackern eine wachsende Zahl an Angriffspunkten.

Hersteller bieten etwa Assistenzsysteme an, die ihre Fahrzeuge selbstständig einparken lassen. Diese Systeme könnten dafür genutzt werden, um Kontrolle über die Lenkung eines Autos zu erlangen, warnt die FT. Zentralsperren per Fernbedienung sollen den Diebstahl eines Autos erschweren, doch man könnte damit auch den Fahrer im Wageninneren einschließen. Elektronisch gesteuerte Bremsen sollen Autos sicherer machen - doch sie könnten auch für das genaue Gegenteil sorgen.

Auto-Virus per manipuliertem MP3-Musikstück

Gleich 13 mögliche Eingrissmöglichkeiten für Angreifer zeigt die FT in einer Grafik auf - vom Manipulieren der elektronischen Sitzstraffer über den Airbag bis hin zum Eingriff in die Motorelektronik. Softwareexperten, Akademiker und professionelle Hacker haben laut FT bereits in Versuchen gezeigt, wie sie Kontrolle über einige interne Systeme in Fahrzeugen erlangen können. Noch brauchen sie dafür einen physischen Zugang zu den Fahrzeugen. Den könnten sich Kriminelle etwa dann beschaffen, wenn der Fahrzeugbesitzer sein Auto zur Werkstatt bringt..

Doch die internen Systeme eines Autos lassen sich auch ohne Schrauben oder Löten aushebeln. So könnten Hacker etwa MP3-Dateien manipulieren, um Kontrolle über das Infotainment-System eines Autos zu erlangen - und von dort aus möglicherweise auf weitere Systeme zuzugreifen. Die MP3-Dateien lassen sich vergleichsweise einfach ins Auto schmuggeln - etwa auf einer CD, die der Besitzer dann in der Auto-Stereoanlage abspielt.

Autohersteller rüsten ihre neuen Fahrzeuge mit einer Fülle an Diensten aus, die drahtlose Verbindungen benötigen - vom E-Mail-Vorlesen im Auto über Internetradiostationen bis hin zur Einbindung von Smartphones via Bluetooth. Das schafft neue Einfallstore - und könnte bald Hacking aus der Ferne ermöglichen.

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