Donnerstag, 22. November 2018

Autokonzern zahlt 100 Millionen Dollar Ford investiert massiv in E-Scooter-Start-up

Spin-Scooter vor der Golden Gate Bridge in San Francisco

Der Hype um elektrische Tretroller bleibt ungebrochen. Jetzt kauft der US-amerikanische Autohersteller Ford das E-Scooter-Start-up Spin aus San Francisco. Der Kaufpreis soll bei 100 Millionen US-Dollar liegen, berichtet "Axios". Eine andere Quelle sagte dem Medium allerdings auch, der Preis betrage 40 Millionen Dollar. Offizielle Angaben gibt es dazu bisher nicht.

Ob es nun die Angst ist, einen wichtigen Trend zu verpassen ("Fear of missing out"/Fomo), oder ein lange geplanter Schachzug: In jedem Fall investiert Ford Börsen-Chart zeigen viel Geld, um bei dem Hype um die kleinen E-Gefährte dabei zu sein. Vor wenigen Monaten waren in den USA gleich mehrere Scooter-Dienste an den Start gegangen, bei denen Kunden die kleinen Tretroller via App ausleihen und am Zielort wieder abstellen können.

Die Start-ups Lime und Bird erreichtenin Rekordzeit Milliardenbewertungen. Unternehmen wie Fidelity, Uber und Google investierten.

Ford schnappt sich nun einen Anbieter, der noch bezahlbar ist. Da Spin von der Stadt San Francisco keine Erlaubnis erhalten hatte, seine Roller dort zu verteilen, war das Unternehmen weniger präsent als seine mit Milliarden finanzierten Konkurrenten. Lime und Bird expandieren mittlerweile neben den USA auch stark in Europa.

Spin will Angebot bald auf 100 Städte ausweiten

Ford will das Start-up schnell wachsen lassen

Spin soll jetzt ebenfalls groß werden. In den nächsten anderthalb Jahren werde man das Angebot des Start-ups von 32 auf 100 Städte ausweiten, sagte Sundeep Madra, Leiter des Inkubators Ford X zur Nachrichtenagentur "Reuters". Die Akquisition fülle eine Lücke im Portfolio, sagte Marcy Klevorn, Präsidentin der Mobilitätseinheit von Ford, weiter. "Wir versuchen uns dem anzupassen, wo der Markt hingeht." Der Konzern wolle Mobilität anbieten, die erschwinglich sei.

Anfang des Jahres kaufte der Automobilhersteller bereits das Unternehmen TransLoc. Es entwickelt Software, die Mobilitätsdienste wie Scooter- oder Bike-Sharing möglich macht und baut passende Apps dazu.


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Solche Übernahmen gibt es international mehr und mehr, da die Etablierten der Autoindustrie härtere Konkurrenz durch Start-ups wie Uber und auch kleinere innovative Anbieter zu spüren bekommen. Als Konsequenz legen in Deutschland beispielsweise Daimler und BMW ihre neuen Mobilitätsservices wie Car2Go und DriveNow zusammen. Die Hoffnung: Gemeinsam schneller zu wachsen und besser am Markt bestehen zu können.

Angesichts des Hypes trauen sich die deutschen Konzerne ebenfalls nicht, E-Scooter zu ignorieren. Die Daimler-Tochter und Taxi-App MyTaxi, die zur neuen Einheit der Hersteller gehören wird, verkündete kürzlich, Scooter-Sharing in Südeuropa zu testen. Wenig zuvor war bekannt geworden, dass die deutschen Start-ups Tier Mobility und GoFlash ihr Roller-Sharing in Europa vorbereiten.

In wenigen Monaten sollen die elektrischen Gefährte dann in Deutschland erlaubt sein. Neben Carsharing, Leihrädern und E-Rollern werden die Tretroller das nächste Transportmittel auf den Straßen der Großstädte. Dort wird es derweil immer enger, erste Anbieter mussten in dem harten Geschäft bereits aufgeben. Und es wird weitere Opfer geben.

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