Sonntag, 19. November 2017

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Flugstunden im Preis inbegriffen Fliegendes Auto geht in Verkauf

Fliegendes Auto: Ein Motordreirad in der Luft
Fotos
PAL-V

Mit dem Auto über den Stau fliegen: Das verspricht das holländische Unternehmen PAL-V (Personal Air and Land Vehicle). Ab sofort bietet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit dem Modell "Liberty" das erste serienproduzierte fliegende Auto weltweit an - für 499.000 Euro.

20 Stück dieser auf 90 Stück limitierten Pionier-Edition des Flugautos sollen noch Ende 2018 ausgeliefert werden. Flugstunden sind im Preis inklusive. Ab 2020 soll dann die Auslieferung der 200.000 Euro günstigeren "Sport"-Edition folgen (Preis: 299.000 Euro, Hauptunterschied: längere Wartezeit bis zur Auslieferung).

Die PAL-V Liberty ist auf der Straße genaugenommen ein Motordreirad und in der Luft ein sogenannter Gyrocopter, bei dem anders als bei einem Hubschrauber der Rotor nicht durch ein Triebwerk sondern durch den Fahrtwind in Drehung versetzt wird. Es ist damit deutlich leichter zu fliegen als ein echter Helikopter. Zwei Personen finden im Cockpit Platz. Für die Straße soll es eine Zulassung als Motordreirad bekommen und in der Luft als Klein-Hubschrauber (CS 27). Um es zu fliegen, braucht man eine Privatpilotenlizenz.

Betrieben wird das PAL-V Liberty mit ganz normalen Superbenzin. Auf der Straße soll das Gefährt in der Spitze 170 km/h erreichen, fliegend nochmal 10 km/h mehr. Allzu lange kann man allerdings nicht durch die Luft fliegen: Nach maximal 350 bis 400 Kilometern ist der Tank alle. Der Umbau vom Fahrt- in den Flugmodus soll zwischen 5 bis 10 Minuten dauern.

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Verkaufen will PAL-V-Marketingchef Markus Hess das Gerät als "Business Toy". Zielgruppe: "Vermögende Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich was gönnen möchten, aber es auch im Alltag nutzen können, etwa um ihre verschiedene Fabriken schnell zu erreichen." Praktisch sei das Flugauto zum Beispiel, um schnell auf Inseln zu gelangen. "Sie sind nicht mehr auf Fährverbindungen angewiesen". Dafür allerdings auf kleine Flugplätze, die es für Start- und Landung braucht. Alternativ kann man auch vom eigenen Grundstück aus starten - vorausgesetzt, man kann dort eine mindestens 20 Meter breite und 300 Meter Lange Start- und Landebahn unterbringen, die für die Liberty gebraucht wird. Notwendig ist auch eine entsprechende Zulassung für Start- und Landung von Privatgrundstücken.

Um ab 2018 an das fliegende Auto zu bekommen, muss man schon jetzt tief in die Tasche greifen: Die Anzahlung für die "Pionier"-Edition kostet 25.000 Euro, für die Sports-Edition immerhin noch 10.000 Euro. Geht das Unternehmen Pleite, ist das Geld weg. Alternativ können sich Interessierte für 2.500 Euro eine Reservierungsnummer sichern. Das Geld soll auf ein Treuhänder-Konto überwiesen werden und kann anderes als die Anzahlung nach Angaben von PAL-V auch erstattet werden. Dafür bekommt man das Flugauto dann allerdings wohl auch erst nach 2020.

PAL-V ist nicht das einzige Unternehmen, das fliegende Autos für Superreiche auf den Markt bringen will. Das US-Unternehmen Terrafugia, das von fünf MIT-Absolventen gegründet wurde, nimmt ebenfalls bereits für 10.000 Dollar Reservierungen für das Zweisitzer-Flugauto "Transition" an. Ein Verkaufspreis gibt es allerdings noch nicht, auch die Frage der Zulassung ist noch ungeklärt. Die ersten Auslieferungen sind derzeit für 2019 angepeilt. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch das slowakische Unternehmen Aeromobil, das ein fliegendes Auto produzieren möchte, das "in Sekunden" vom Auto- in den Flugmodus wechselt. Der Verkaufspreis soll bei "mehreren hunderttausend Euro" liegen, die Auslieferung "in den nächsten zwei bis drei Jahren" beginnen.

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