Sonntag, 19. November 2017

NASA-Experte für fliegende Autos geht zu Uber Uber investiert in fliegende Autos

Flugauto-Konzept "Transition" von Terrafugia: So ähnlich stellt sich auch Uber die Pendler-Zukunft vor

Mit dem Straßentest selbstfahrender Uber-Autos hat es nicht so recht geklappt. Und die Verluste des noch jungen Unternehmens sind nach wie vor hoch. Trotzdem will der US-Fahrdienstvermittler Uber in die Luft gehen - und zwar wortwörtlich: Uber hat einen Experten für fliegende Autos an Bord geholt, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Der Uber-Neuzugang Mark Moore gilt als wahre Koryphäe auf seinem Gebiet. Gut 30 Jahre lang hat der Flugzeugingenieur für die US-Weltraumagentur NASA gearbeitet. Nun bekommt er den schönen Titel "Director of Engineering for Aviation", berichtet Bloomberg, und leitet künftig "Uber Elevate", das Flugauto-Projekt des Fahrdienstvermittlers.

Moore forscht seit Jahren an kleineren Fahrzeugen, die vertikal abheben und landen können. Im Jahr 2010 hat Moore eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Machbarkeit solcher Vehikel mit Elektroantrieb beschäftigte. Die Studie soll laut Bloomberg den Google-Mitgründer Larry Page dazu gebracht haben, heimlich in zwei Flugauto-Startups namens Zee Aero und Kitty Hawk zu investieren.

Nun geht Moore allerdings bei dem Google-Konkurrenten Uber an Bord. Der Fahrdienstvermittler plant jedoch noch nicht die Konstruktion eines eigenen fliegenden Autos und den Einstieg in die Luftfahrt. Im vergangenen Oktober hat Uber ein White Paper mit einer radikalen Vision für den Luft-Pendelverkehr vorgelegt. Darin benannte Uber auch die Herausforderungen für die gerade im Entstehen begriffene Flugauto-Branche - wie etwa Lärmbelastung, Antriebseffizienz und beschränkte Reichweite der Batterien.

Zahlreiche technische und rechtliche Hürden

Doch Uber wolle laut Bloomberg erstmal der Branche helfen, die Entwicklung von Flugautos zu beschleunigen. "Uber sieht seine Rolle weiterhin als Beschleunigungskatalysator für das gesamte Ökosystem", drückt es ein Uber-Manager aus. Mark Moore werde mit Herstellern und Stakeholdern zusammenarbeiten. Uber werde aber die in seiner Studie beschriebenen Nutzungsszenarien weiter zu verfolgen, erklärte der Manager etwas schwammig.

Moore selbst drückte es gegenüber Uber etwas klarer aus. Noch gebe es viele Hindernisse, und die seien nicht nur technischer Art, sondern beträfen auch die Zertifizierung solcher Fluggeräte und die Lockerung von Luftraumbestimmungen. Doch mit seinen 55 Millionen Kunden sei Uber in einer einzigartigen Position um zu beweisen, dass es einen großen, profitablen und sicheren Markt für Flugauto-Dienste gebe.

Die Vision von Uber klingt nicht nur für Science-Fiction-Fans verlockend. Der Fahrdienstvermittler stellt sich vor, dass seine Kunden zunächst konventionelle Uber-Autos zu einer Flugtaxi-Haltestelle in einem Wohngebiet nehmen. Von diesem "Vertiport" könnten Kunden dann zur nächsten Haltestelle in der Nähe ihrer Arbeitsstätte fliegen. Die Flugautos bräuchten deshalb nur Reichweiten zwischen 80 und 160 Kilometern, meint Moore. Sie könnten auch zumindest teilweise aufgeladen werden, während Passagiere an oder von Bord gehen.

Auch Airbus entwirft bereits einen Flugauto-Prototypen

Laut Moore könnte das relativ schnell gehen: Er meint, dass es schon in den nächsten ein bis drei Jahren mehrere ordentlich gebaute Flugautos geben könnte. Diese werden aber auch zukünftig menschliche Piloten an Bord haben, die zumindest die Computersysteme an Bord kontrollieren.

Moore geht mit seinem Wechsel zu Uber auch ein persönliches Risiko ein, schreibt Bloomberg. Bei seinem bisherigen Arbeitgeber, der Nasa, fehlt Moore nur noch ein Jahr zur Rente. Allerdings hat Uber gut 11 Milliarden Dollar auf der Habenseite, was Moore wohl ein auskömmliches Gehalt bescheren dürfte.

Ganz - pardon - aus der Luft gegriffen sind Uber-Visionen von fliegenden Autos nicht. Das US-Startup Terrafugia bastelt seit Jahren an einem solchen Gefährt und hat mit dem "Transition" auch schon eine tatsächlich flugfähige Studie vorgestellt. Die ähnelt aber mehr einem Flugzeug, das auch auf der Straße fahren kann - als einem Auto, das sich in die Lüfte erhebt. An Kunden ausgeliefert hat Terrafugia jedoch noch kein einziges Exemplar.

Auch der europäische Flugzeugriese Airbus arbeitet an einem Flugauto. Noch Ende des Jahres soll sich ein funktionierender Prototyp des Ein-Personen-Airbus in die Lüfte erheben, verriet Konzernchef Tom Enders vor kurzem. Doch von einem fliegenden Mehrsitzer mit vier Reifen, wie ihn Marty McFly und Emmett Brown im Film "Zurück in die Zukunft" nützen, ist die Welt noch weit entfernt. Der Traum jedes Pendlers, Staus und stockenden Stadtverkehr einfach zu überfliegen, wird wohl noch länger ein solcher bleiben.

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