Donnerstag, 25. August 2016

Comeback-Zeitplan bis 2020 gestreckt Fiat schraubt Alfa Romeo-Ambitionen zurück

Alfa Giulia soll BMW M3 angreifen: Phönix aus Areser Asche - das ist Alfa Romeos neue Giulia
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REUTERS

Acht neue Alfa-Romeo-Modelle bis 2018 mit einem Investment von fünf Milliarden Euro: Das war die Ansage, die Sergio Marchionne im Mai 2014 für die Wiederbelebung der italienischen Sportwagenmarke machte.

Die Auferstehung Alfas sollte nach den Plänen des Mutterkonzerns Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Börsen-Chart zeigen beinahe im Zeitraffer ablaufen: Das erste neue Alfa-Modell, eine Mittelklasse-Limousine, sollte bereits Ende 2015 zu den Händlern kommen. Die restlichen sieben Modelle wollte Alfa in den Jahren 2016 bis 2018 auf den Markt bringen - und so seinen Jahresabsatz auf 400.000 Fahrzeuge verfünffachen.

Das klang schon damals etwas überambitioniert - und war es auch. Denn nun hat FCA seine überarbeiteten Geschäftspläne vorgestellt, und dabei auch den Alfa-Zeitplan um zwei Jahre gestreckt: Die insgesamt acht neuen Modelle sollen nun bis 2020 auf den Markt kommen, Absatzziele nennt FCA erstmal keine mehr.

Halbes Jahr Verzögerung für Alfa-Schlüsselmodell

Die Marken- und Produktstrategie für Alfa Romeo bleibe jedoch bestehen, erklärte FCA in einer Präsentation auf der Unternehmenswebsite. Fokussieren soll sich Alfa Romeo auf Europa und die USA - in China ortet FCA Unsicherheiten und Importbeschränkungen, die den Start der Sportwagenmarke im Reich der Mitte erschweren.

Dass der Alfa-Neustart doch nicht der erhoffte Schnellstart wird, hatte sich zuletzt bereits abgezeichnet. Im Frühjahr 2015 hatte Alfa Romeo in Turin die Neuauflage seiner Mittelklasselimousine Giulia vorgestellt - mit viel Pomp und Pathos. Starten sollte Alfas Schlüsselmodell mit der 500 PS starken Sportvariante Quadrifoglio.

Die ersten Quadrifoglio-Fahrzeuge wollte Alfa bereits Ende 2015 ausliefern, doch im Herbst gab FCA-Chef Marchionne dann technische Probleme zu und verschob den Giulia-Marktstart um sechs Monate. Nun sollen die Fahrzeuge im Juni dieses Jahres zu den Händlern kommen, die Produktion soll laut Marchionne noch in diesem Quartal starten.

Auf dem Genfer Autosalon will die Sportwagenmarke die Basisvariante der Giulia vorstellen. Einen Kompakt-SUV, der auf der neuen Giulia-Plattform basiert, will Alfa Romeo Ende 2016 oder Anfang 2017 präsentieren. Bis 2020 folgen laut dem FCA-Plan noch eine größere Alfa-Romeo-Limousine, zwei weitere Crossover- oder SUV-Modelle, zwei "Spezialfahrzeuge" und eine Kombi-Variante.

Weniger Chrysler, mehr Jeep

Trotz der Alfa-Verzögerung gibt sich FCA für die nähere Zukunft optimistisch: Seine Ergebnis- und Umsatzprognose für das Jahr 2018 hat der Konzern nun angehoben. FCA will im Jahr 2018 rund 136 Milliarden Euro umsetzen - bisher hatte der Konzern in zwei Jahren Erlöse von 132 Milliarden Euro angepeilt. Das Hochsetzen der Prognosen war wohl auch ein Schuss Marchionnes gegen skeptische Analysten, die seine 2018er-Ziele großteils ins Reich der Fantasie einordnen.

Dazu beitragen soll auch ein Strategieschwenk. Der FCA-Chef will die Produktion von zwei Chrysler-Modellen beenden - und an ihrer Stelle mehr Fahrzeuge der höchst profitablen Tochtermarke Jeep produzieren. Künftig sollen andere Autobauer die beiden Chrysler-Modelle fertigen, erklärte Marchionne.

Am Ende des gesamten Prozesses, so versprach Marchionne, werde FCA in einer "viel besseren Position sein als heute". Um diesen Punkt zu untermauern, zitierte FCA in seiner Geschäftsplan-Präsentation auch noch einen der bekanntesten Aussprüche von Mark Twain: "Die Nachricht von meinem Tod ist stark übertrieben", stand gleich am Anfang des Foliensatzes.

Ob Marchionnes Versprechen auch für die Marke Alfa Romeo gilt, wird sich in den nächsten Monaten weisen. Denn jetzt muss Alfa mal technisch anständige Autos in größeren Stückzahlen liefern.

Lesen Sie hier, warum Alfa Romeo über die Fiat-Chrysler-Zukunft entscheidet

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