Freitag, 17. August 2018

Verdacht auf Abgasbetrug Fiat Chrysler erneut unter Betrugsverdacht

"Wer uns mit VW vergleicht, hat etwas Illegales geraucht": Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne

Der Verdacht des Abgasbetrugs lässt Fiat Chrysler nicht los. Nachdem Anfang Januar die US-Umweltbehörde EPA dem Autobauer vorgeworfen hatte, dass viele seiner Dieselfahrzeuge massiv gegen das Luftreinhaltegesetz verstoßen und damit den Aktienkurs einbrechen ließ, prüfen nun auch das US-Justizministerium, die Börsenaufsicht SEC und die Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten den Fall. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht hervor. Man wolle bei allen zulässigen Anfragen kooperieren, teilte der Autohersteller mit.

Im Januar hatte die US-Umweltbehörde EPA Fiat Chrysler verdächtigt, bei mindestens 100.000 Dieselwagen eine möglicherweise illegale Software zur Abgaskontrolle nicht offengelegt zu haben, was einen Verstoß gegen Umweltgesetze darstelle.

Fiat Chrysler wies den Verdacht zurück und hält seine Abgastechnik für legal. Dennoch war die Verunsicherung zunächst hoch. Denn viele Beobachter sahen Parallelen zur Dieselgate-Affäre des Rivalen VW, der für seinen Abgasbetrug in den USA mit Strafen und Entschädigungen von mehr als 20 Milliarden Euro büßt. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne versicherte jedoch: "Wir haben keinerlei Betrug begangen."

"Wer uns mit VW vergleicht, hat etwas Illegales geraucht"

"Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht", sagte der um deutliche Worte selten verlegene Marchionne italienischen Medien.

Tatsächlich unterscheidet sich der Fall - zumindest nach allem, was bislang bekannt ist - wesentlich vom VW-Skandal. Die Wolfsburger gaben nach den Anschuldigungen der US-Behörden rasch Manipulationen zu, außerdem ist die Anzahl der betroffenen Autos bei ihnen deutlich höher.

Der Aktienkurs hat sich von dem Kurssturz im Januar mittlerweile wieder erholt. Ein Grund für die Zuversicht der Aktionäre dürfte auch der Regierungswechsel in den USA sein. Der neue Präsident Donald Trump gilt nicht als großer Anhänger des Umweltschutzes. Fiat-Chrysler-Chef Marchionne wurde bereits freundlich von Trump im Weißen Haus empfangen, dabei kündigte der Präsident an, "überflüssige" Umweltgesetze abzubauen. Marchionne versprach ihm 2000 neue Jobs durch eine Milliarden-Investition in US-Werke zu schaffen.

Auch in Europa wird der Konzern schon länger der Abgasmanipulation verdächtigt. Zwischen Italien und Deutschland tobt seit Monaten ein Streit um möglicherweise gefälschte Schadstoffwerte bei Fiat Chrysler. Die Bundesregierung beruft sich auf Daten des Kraftfahrtbundesamtes. Auch die EU-Kommission forderte Italien mehrfach auf, dies zu prüfen.

rei mit dpa

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