Samstag, 19. Januar 2019

Auch Bosch zahlt Millionen in den USA Fiat Chrysler kommt im Abgasskandal glimpflich davon

Ein Jeep Cherokee aus dem Hause Fiat Chrysler

Fiat Chrysler und Bosch greifen zur Beilegung von Klagen im Abgasstreit in den USA tiefer in die Konzernkasse als ursprünglich erwartet. Der italienisch-amerikanische Autobauer akzeptiert insgesamt Zahlungen in Höhe von rund 800 Millionen Dollar. Beim deutschen Zulieferer beläuft sich der Gesamtbetrag auf knapp 131 Millionen Dollar. Das teilten die Unternehmen am Donnerstagabend unabhängig voneinander mit. Zuvor standen Summen von 700 Millionen Dollar (Fiat Chrysler) und 30 Millionen Dollar (Bosch) im Raum.

US-Behörden hatten Fiat Chrysler vorgeworfen, Abgasgrenzwerte bei rund 104.000 Dieselfahrzeugen der Modelle Jeep Cherokee und Ram 1500 mit einer speziellen Software umgangen zu haben. Das Unternehmen hat ein absichtliches Fehlverhalten stets zurückgewiesen und muss im Zuge der Vergleiche kein Schuldgeständnis abgeben. Bosch war - wie zuvor schon im "Dieselgate"-Skandal von Volkswagen - wegen gelieferter Komponenten für die dubiosen Dieselmotoren mitangeklagt.

Fiat Chrysler kommt im Vergleich glimpflich davon

Konkret hat Fiat Chrysler Zahlungen von mehr als 500 Millionen Dollar zugestimmt, um sich in Verfahren von US-Bundesstaaten und des Justizministeriums freizukaufen. Ein Vergleich bei einer Sammelklage von US-Autobesitzern könnte dem Konzern laut Gerichtsunterlagen zusätzliche Kosten von rund 300 Millionen Dollar einbrocken. Dem Unternehmen zufolge wurden die gesamten Belastungen bereits im dritten Quartal 2018 als Rückstellungen in der Bilanz verbucht.

Im Vergleich zu den Summen, die Volkswagen in der "Dieselgate"-Affäre berappen musste, kommt Fiat Chrysler relativ glimpflich davon. VW hat schon mehr als 25 Milliarden Dollar Kosten für Vergleiche mit US-Klägern verbucht. Allerdings waren den Wolfsburgern auch gezielte Täuschung und Behinderung der Ermittlungen vorgeworfen worden, zudem waren wesentlich mehr Dieselfahrzeuge betroffen.

Bosch kauft sich bereits ein zweites Mal frei

Der in den Verfahren gegen Fiat Chrysler mitangeklagte Zulieferer Bosch nimmt bei dem Kompromiss mit den privaten Sammelklägern Zahlungen bis 27,5 Millionen Dollar in Kauf. Hinzu kommen nach Angaben des Unternehmens 103 Millionen Dollar beim Vergleich mit den 50 US-Bundesstaaten und -Territorien. Auch Bosch weist den Vorwurf zurück, bewusst an Abgas-Manipulationen beteiligt gewesen zu sein. Die Stuttgarter waren schon bei den US-Klagen gegen VW mit beschuldigt worden und hatten dort bereits 327,5 Millionen Dollar gezahlt.

rei/dpa

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