Montag, 20. November 2017

Übernahmefantasie von Fiat durch Chinesen verblasst Great Wall sieht "große Unsicherheiten" bei Fiat-Kauf

Tauziehen um Jeep: Chinas Great Wall hat "große Unsicherheiten", ob es die Übernahme der Geländewagen-Marke weiter prüfen solle

Anfang dieser Woche klang noch alles nach Honeymoon: Der chinesische Autobauer Great Wall Motors bestätigte offiziell sein Interesse an einer Übernahme von Fiat Chrysler im Allgemeinen und der Geländewagen-Ikone Jeep im Speziellen. Solche Bestätigungen gibt es üblicherweise erst, wenn die Verhandlungen um eine Übernahme bereits laufen.

Doch das läuft bei den chinesischen SUV-Spezialisten offenbar anders. Da gibt es zuerst die Ankündigung, erst dann folgt das Verhandeln. Denn Great Wall Motors hat eigenen Angaben zufolge Fiat Chrysler Automobiles Börsen-Chart zeigen (FCA) bisher nicht wegen eines möglichen Einstiegs kontaktiert. Es gebe auch keine Vereinbarung mit dem italienischen Konzern, teilte Great Wall Motor nun mit. Laut der Fachpublikation Automotive News Europe gebe es bei Great Wall selbst "große Unsicherheiten", ob der chinesische Autohersteller die Prüfung einer Übernahme der FCA-Marke Jeep fortsetzen werde.

Dafür gibt es nun im FCA-Konzern offenbar auch andere Überlegungen zur möglichen Abspaltung von Unternehmensteilen. Kreisen zufolge erwägt Fiat Chrysler die Trennung von Luxusmarken wie Maserati und Alfa Romeo. Auch ein Verkauf des Komponentengeschäfts werde erwogen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Auf diese Weise könne sich Fiat Chrysler ganz auf den Massenmarkt konzentrieren. Auch ein mögliches Zusammengehen mit einem Wettbewerber werde so erleichtert.

Laut Bloomberg werden derzeit verschiedene Szenarien diskutiert. Eine Entscheidung dürfte aber erst Ende 2018 fallen. Fiat Chrysler wollte sich auf Nachfrage der Agentur nicht zu den Spekulationen äußern. Die Fiat-Aktie zog an und gewann zuletzt 2,4 Prozent.

US-Protektionismus könnte Sargnagel für FCA-Deal werden

Analysten schätzen den Wert der Luxusmarken auf bis zu 7 Milliarden Euro, den des Komponentengeschäfts auf bis zu 5 Milliarden Euro. Den Kreisen zufolge ist vor allem die Agnelli-Familie als Mehrheitseigner des Konzerns unzufrieden mit der Wertentwicklung des Unternehmens. Die Einzelteile des Konzerns seien nach Schätzungen der Investmentbank Goldman Sachs doppelt so viel Wert als die aktuelle Börsenbewertung des Konzerns.

An Marken wie Fiat, Chrysler, Ram Trucks oder Dodge wolle der Konzern in den derzeitigen Planspielen hingegen festhalten. Dies gelte auch für Jeep.

Das lässt eine baldige Übernahme von FCA durch die Chinesen in weite Ferne rücken. Dabei hatten Insider am Montag noch erklärt gesagt, Great Wall Motor habe Fiat Chrysler um ein Treffen zu einer teilweisen oder vollständigen Übernahme gebeten. FCA hatte dagegen erklärt, nicht mit Great Wall in Kontakt zu stehen.

Die englische Finanzzeitung Financial Times (FT) warnte kürzlich, dass eine FCA-Übernahme durch Great Wall wohl keine großartige Idee sei (der Abruf des FT-Links ist kostenpflichtig). Der chinesische Autohersteller sei nicht groß genug, um Fiat Chrysler alleine zu übernehmen, heißt es in der FT. Statt dessen solle FCA lieber seine Marke Jeep an eine US-Börse bringen und ein Drittel der Anteile in den freien Handel bringen. Das würde wohl auch US-Präsidenten Trump fröhlich stimmen, argumentiert die Zeitung.

Denn Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik gilt ohnedies als eine große Hürde bei einem möglichen FCA-Verkauf. Mitglieder von Trumps innerem Zirkel warnen längst, dass sich die USA im Handelskrieg mit China befinden. Auf Begeisterung dürfte der Verkauf von uramerikanischen Marken wie Jeep oder Chrysler an einen chinesischen Bieter wohl kaum stoßen.

Allzu wahrscheinlich erscheint ein Deal zwischen Great Wall und FCA deshalb nicht. Doch die Spekulationen über ein Interesse aus China an Fiat Chrysler hatten für FCA einen höchst erfreulichen Nebeneffekt: Sie trieben die Aktien des italienisch-amerikanischen Autoherstellers zu Wochenanfang auf den höchsten Kurs seit 19 Jahren. Am Dienstag notierten die Titel dann wieder 1,3 Prozent im Minus bei 11,29 Euro.

mit Material von dpa-afx

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH