Montag, 29. August 2016

Verhaltene Prognose verprellt Aktionäre Investoren schicken Ferrari auf Crashkurs

Ferrari F12: In diesem Jahr will Ferrari die Zahl seiner Auslieferungen nur moderat steigern

Auf Asphaltpisten beschleunigen Ferrari-Sportwagen ebenso mühelos wie rasant. Doch an der Börse findet der Sportwagenhersteller nicht auf die Überholspur, im Gegenteil: Seit dem Gang aufs Parkett vor vier Monaten sank Ferraris Aktienkurs um ein Fünftel.

Nun hat Ferrari noch eine scharfes Bremsmanöver oben draufgepackt: Ein zurückhaltender Ausblick hat Ferrari gestern den größten Kursrutsch der Firmengeschichte eingebrockt. Die an der Wall Street notierten Aktien des Sportwagenbauers fielen um bis zu 11,6 Prozent auf 35,31 Dollar und lag damit 33 Prozent unter dem Ausgabepreis von 52 Dollar.

Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne kommentierte den Kursrückgang so: "Ich verstehe die Reaktion nicht", sagte er vor Analysten. "Der Bestelleingang ist so stark wie immer. Unbenommen von dem, was der Kapitalmarkt sagt: Uns geht es gut."

Im vergangenen Jahr hat Ferrari 7664 Fahrzeuge verkauft, um sechs Prozent mehr als noch 2014. Der Nettogewinn stieg um 25 Millionen auf 290 Millionen Euro. Doch in diesem Tempo geht es nicht weiter. In diesem soll das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei rund 770 Millionen Euro liegen, also um 22 Millionen höher als im vergangenen Jahr. Von 2014 auf 2015 hatte Ferrari diese Kennzahl noch um 55 Millionen Euro gesteigert. Auch die Zahl der ausgelieferten Wagen soll 2016 nur um 200 Fahrzeuge auf 7900 Sportwagen steigen und damit nur halb so schnell wie im vergangenen Jahr.

Der Hype um die Ferrari-Aktie ist verflogen

Ein vorsichtiger Ausblick für Gewinnsteigerungen, verlangsamtes Wachstum bei den Auslieferungen - solche Nachrichten hören Anleger gar nicht gerne. Dabei war Ferrari Mitte Oktober 2015 an der Wall Street ein Börsenstart mit viel Enthusiasmus geglückt. Denn Marchionne hatte vor dem Börsengang der schönen Sportwagen-Tochter kräftig die Werbetrommel gerührt und so die Bewertung auf über 10 Milliarden Euro hochgetrieben. Er argumentierte, dass Ferrari eher als Luxusmarken-Gruppe denn als schnöder Autohersteller betrachtet werden sollte und deshalb eine höhere Bewertung als konventionelle Autoaktien verdiene.

Für die Finanzlage von Fiat Chrysler Automobiles Börsen-Chart zeigen war das sicherlich von Vorteil. Doch Marchionnes Einschätzung teilen derzeit nur mehr wenige Analysten. Im Gegenteil, sie argumentieren, dass Ferrari nun das Opfer seiner übertriebenen Bewertungen wird - und die aktuelle Kurskorrektur die Aktie nun auf ein realistisches Niveau zurückführt.

Dass die Ferrari-Aktie für viele längst nicht mehr so heiß ist, sah man auch beim holprigen Debüt an der Mailänder Börse Anfang diesen Jahres: Da musste der Handelzeitweise ausgesetzt werden.

Eine Wachstumsroute wird Ferrari aber laut einem Bericht in der Financial Times vermeiden. Auf die Frage, ob Ferrari jemals ein SUV- oder Crossover-Modell bauen werde, antwortete Marchionne deutlich: "Dafür müssten Sie mich zuerst erschießen."

Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH