Freitag, 14. Dezember 2018

Stefan Krause wird Finanzchef bei Faraday Ex-BMW-Vorstand geht zu Auto-Startup aus China

Künftig in Diensten der chinesischen Elektro-Auto-Hoffnung: Ex-Dax-Vorstand Stefan Krause.

Er war Finanzvorstand bei BMW und bis vor kurzem bei der Deutschen Bank: Jetzt soll Stefan Krause einem Elektroauto-Angreifer aus China als Vorstand helfen.

Der langjährige Vorstand von BMW und Deutscher Bank, Stefan Krause (54), kehrt zurück in die Autoindustrie. Krause beginne am 1. März als Finanzchef beim chinesisch-kalifornischen Startup Faraday Future, heißt es in Londoner Finanzkreisen. Faraday Future will ab 2019 Elektroautos auf den Markt bringen und sieht sich als Herausforderer des kalifornischen Marktführers Tesla.

Krause war bis Oktober 2015 Finanzvorstand der Deutschen Bank. Jetzt soll er Faraday Future Investoren zufolge vor allem bei der zuletzt etwas ins Stocken geratenen Finanzierung des Unternehmens unterstützen.

Krause hatte die Deutsche Bank im Zuge eines Vorstandumbaus im Oktober 2015 verlassen. Seither arbeitet er als Senior Adviser für den Private-Equity-Investor Warburg Pincus und sitzt im Aufsichtsrat von Rocket Internet. Begonnen hatte er seine Karriere beim Münchener Autokonzern BMW. Dort gehörte er sechs Jahre dem Vorstand an. Krause führte erst das Finanz- und dann das Vertriebsressort. 2008 welchselte er dann als Finanzchef zur Deutschen Bank.

Faraday Future wurde 2014 von dem chinesischen Internet-Milliardär Jia Yueting (43) gegründet. Mit seinem Autoprojekt fährt Jia einen doppelten Ansatz. In der US-Zentrale in Los Angeles lässt er ein Modell für den Weltmarkt entwickeln, das batterieelektrisch angetrieben wird, aber von Beginn an auch teilautonome Fahrfunktionen und weit reichende Internetfähigkeiten bieten soll. In China will er ein technisch weniger ambitioniertes Modell anbieten.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes führt Jia Yueting mit einem Vermögen von knapp vier Milliarden Dollar als einen der 50 reichsten Chinesen. Der Technologie-Unternehmer ist in China mit dem Internetvertrieb von Videos groß geworden, produziert aber inzwischen auch Smartphones und andere elektronische Geräte.

Jia sieht das Auto der Zukunft wohl eher als rollende Internet-Plattform denn als Produkt, das sich durch Motoren, Spaltmaße und Straßenlage von der Konkurrenz unterscheidet. Faraday Future beschäftigt dem Unternehmen zufolge inzwischen 1400 Mitarbeiter, mehr als zwei Drittel davon in Kalifornien und viele abgeworben bei anderen Autokonzernen.

Das Projekt hatte allerdings zuletzt einige Rückschläge zu verkraften. So gab es bei einer Präsentation des Prototyps FF91 Probleme mit der Sensorik für autonomes Fahren. Außerdem hatte Jia Yueting im November 2016 eingestanden, der Mutterkonzerns LeEco sei zu schnell gewachsen. Deshalb hatte er das Salär des Managements reduziert und sein persönliches Gehalt als CEO auf einen Yuan gesenkt.

Der US-Tochter Faraday bereite auch die striktere Devisenkontrolle der chinesischen Regierung Probleme, berichten Investorenkreise. Gerüchte über einen Stopp des geplanten Faraday-Automobilwerks in Nevada seien allerdings falsch. Die Fabrik werde gebaut.

Das Unternehmen habe zuletzt wieder starke Privatanleger gewonnen, heißt es in der Finanzszene. Der ehemalige Deutsch-Banker und Automanager Krause solle helfen, weitere Geldgeber zu finden.

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