Mittwoch, 21. November 2018

Nach Vater verklagt auch der Bruder Belinda Stronach Familienfehde um Auto-Milliardär Stronach eskaliert

Magna-Gründer Frank Stronach vor einem Auftritt als Politiker (2013)

Anfang Oktober verklagte sie ihr Vater auf hunderte Millionen Dollar Schadenersatz, nun zieht auch noch ihr Bruder gegen sie vor Gericht: Belinda Stronach, Ex-Chefin des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna, steht im Zentrum eines ebenso bitteren wie eskalierenden Familienstreits.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat Andrew Stronach am 1. November in Toronto Klage gegen seine Schwester Belinda und ihre "Vertrauten" eingereicht. Laut der Klage hat Andrew das Vertrauen in seine Schwester verloren und will, dass sie sich aus dem Familienunternehmen Stronach Group zurückzieht.

Die Klage wirft Belinda Stronach und ihren Vertrauten unter anderem vor, überteuerte Investitionen getätigt zu haben. Sie sollen das Familienunternehmen Stronach Group in eine Liquiditätskrise gebracht haben.

Der heftige Streit um Macht und Kontrolle in einer der reichsten Familien Kanadas, über den manager-magazin.de bereits berichtete, ist damit um eine hässliche Wendung reicher. Dabei hatte Belindas Vater, der Magna-Gründer und Milliardär Frank Stronach, seiner Tochter erst vor fünf Jahren die Kontrolle über sein Unternehmen Stronach Group übertragen. Damals wagte der schillernde Milliardär Stronach, der vor gut einem Jahrzehnt den deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte, einen Ausflug in die Politik: In seinem Geburtsland Österreich gründete Stronach senior im Jahr 2012 eine Partei, die sich 2017 wieder auflöste.

Um Interessenskonflikten bei seinen politischen Ambitionen aus dem Weg zu gehen, übertrug er im Jahr 2013 die Kontrolle über die Stronach Group an seine Tochter Belinda und Vertraute wie Alon Ossip, einen früheren Magna-Topmanager. Unter dem Dach der Stronach Group versammeln sich mehrere Stiftungen und Unternehmen, die einen Großteil des von Stronach senior erwirtschafteten Vermögens umfassen.

"Kompletter Zusammenbruch des Vertrauens"

Andrew Stronach, der sich laut der Klage vor allem landwirtschaftlichen Unternehmungen widmet, hält über seine eigene Stiftung 23 Prozent an der Stronach Group. In der Klage wirft Andrew Stronach seiner 52-jährigen Schwester und ihren Vertrauten vor, "sorglose und teure Investitionen" vorgenommen zu haben, die zu größeren Verlusten geführt haben sollen. Deshalb finde sich die Stronach Group nun in einer Liquiditätskrise wieder und "versuche aktiv, wertvolle Immobilien und andere Anlagegüter zu verkaufen". Der Klage zufolge hat Andrew Stronach zuletzt wiederholt versucht, "ordentliche Bilanzen" und Gewinn- und Verlustrechnungen für die Stronach Group zu erhalten - wurde seiner Klage zufolge aber ignoriert oder hingehalten.

Das Verhalten seiner Schwester habe laut der Klage zu einem "kompletten Zusammenbruch des Vertrauens" zwischen Andrew Stronach, Belinda, seiner Eltern und den Vertrauten von Belinda geführt". Deshalb fehle Andrew nun das Vertrauen, dass seine Schwester und ihre Vertrauten ihre Aufgaben und Pflichten in der Stronach Group "ordentlich oder überhaupt" erfüllen könnten, heißt es in der Klage. Im Klartext fordert Andrew damit seine Schwester zum Rückzug aus der Stronach-Group auf.

Die Klage ihres Bruders sei "eine Erweiterung der rechtlichen Schritte meines Vaters gegen mich und meine Kinder", erklärte Belinda Stronach in einer Stellungnahme. Die Anschuldigungen seien unwahr, sie wolle darauf formell und im angemessenen Zeitrahmen reagieren. "Es betrübt mich sehr, dass wir diesen kritischen Zeitpunkt in unserer Familie erreicht haben", hieß es laut Bloomberg in dem Statement weiter. Ein Sprecher für Alan Ossip nannte die Vorwürfe komplett substanzlos. Man habe die von Andrew Stronach geforderten Finanzinformationen bereitgestellt.

In der bereits vor einem Monat eingereichten Klage hatte Frank Stronach seiner Tochter Missmanagement vorgeworfen und von ihr 520 Millionen kanadische Dollar (345 Millionen Euro) Schadenersatz gefordert. Laut Stronach Senior soll seine Tochter unter anderem 70 Millionen Dollar aus der Stronach Group für ihren extravaganten Lebensstil abgezweigt zu haben. Auch sollen Dokumente gefälscht worden sein. Auch diese Vorwürfe hat Belinda Stronach damals als falsch zurückgewiesen.

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