Donnerstag, 17. Januar 2019

Spritverbrauch schöngerechnet Falsche US-Verbrauchsangaben kosten Hyundai insgesamt 750 Millionen Dollar

Kia Soul: Nach Untersuchungen der Umweltbehörde korrigierte der Hyundai-Konzern 2012 die Reichweitenangabe drastisch nach unten.

Geschönte Spritverbrauchsangaben kommen Hyundai und Kia teuer zu stehen: Die koreanischen Autohersteller zahlen in den USA Strafen von insgesamt 350 Millionen Dollar - zusätzlich zu bereits angekündigten Entschädigungen über 400 Millionen Dollar.

Hamburg - Es ist ein teures Lehrgeld für den erfolgsverwöhnten koreanischen Autokonzern Hyundai-Kia: In den USA müssen die beiden südkoreanischen Automarken nun kräftig Strafe für übertriebene Versprechen zum niedrigen Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge zahlen. An die US-Regierung überweisen die Koreaner dafür ein Bußgeld in Höhe von 100 Millionen Dollar. Zudem verzichten sie auf Emissionskredite in Höhe von 200 Millionen Dollar und werden 50 Millionen Dollar dafür ausgeben, dass ähnliche Verstöße nicht mehr vorkommen.

Insgesamt kommen so 350 Millionen Dollar an Strafzahlungen zusammen - zusätzlich zu Entschädigungszahlungen in Höhe von rund 400 Millionen Dollar, die der Konzern bereits Ende 2012 seinen US-Kunden versprochen hat.

Anders als in Europa greifen die USA bei geschönten Angaben zum Benzinverbrauch hart durch. Die US-Umweltbehörde EPA hatte 2012 bei Tests herausgefunden, dass einzelne Modelle beider Autobauer mehr Sprit verbrauchen als versprochen wurde. Es sei um rund 1,2 Millionen Autos gegangen, teilte das US-Justizministerium am Montag mit.

Bisher höchste Strafe unter dem US-Emissionsschutzgesetz

Die nun verhängten Strafen haben die beiden koreanischen Autohersteller akzeptiert und stellen damit unrühmlichen Rekord auf. Denn die Bußgelder sind die bisher höchsten unter dem US-Emissionsschutzgesetz. Generalstaatsanwalt Eric Holder nannte die zusammen mit Hyundai und Kia erreichte Lösung einen "beispiellosen Beschluss". Sie sende eine "wichtige Nachricht an Autohersteller in der ganzen Welt, dass sie sich an Gesetze halten müssen".

Dabei dürfte nicht nur Hyundai in den USA überzogene Angaben zur Sparsamkeit seiner Autos gemacht haben, wie Gina McCarthy, die Leiterin der Umweltbehörde EPA andeutete. Die Abweichungen von Hyundai und Kia von den Testprozeduren seien die "unerhörtesten" gewesen, erklärte McCarthy. Ob noch weitere Autokonzerne für geschönte Spritangaben belangt werden, wollte sie nicht sagen.

Autohersteller werden nun wohl besonders genau auf ihre aktuellen Testverfahren achten, um ähnliche Strafen in Zukunft zu vermeiden, meinte ein Analyst. Konsumenten seien frustriert über den Graubereich zwischen den offiziellen Verbrauchsangaben der Hersteller und dem Spritverbrauch im Alltag. Das gilt auch für viele Autofahrer in Deutschland. Doch hierzulande werden praktisch nie die Verbrauchswerte offiziell nachgeprüft. Die Folge: Bei den Angaben zum Normverbrauch tricksen die Autohersteller kräftig - ohne damit von offizieller Seite konfrontiert zu werden.

Hyundai gestand falsche Angaben bereits 2012 ein

In den USA ist das seit einigen Jahren anders. Hyundai und Kia etwa hatten nach den Untersuchungen der US-Umweltbehörde im November 2012 zugegeben, dass bei rund 900.000 seit dem Jahr 2010 in den USA verkauften Fahrzeugen der Kraftstoffverbrauch zu niedrig angegeben war. Die Autoherstelle korrigierten daraufhin bei mehreren Modellen die Angaben zur Reichweite um ein bis zwei Gallonen pro Meile. Bei dem Modell Kia Soul setzen die Koreaner die Reichweitenangabe sogar um sechs Gallonen pro Meile herab.

Die in den USA gebräuchliche Kennzahl zur Kraftstoffeffizienz gibt an, wie weit ein Auto mit rund 3,8 Litern Treibstoff fährt. Je weniger ein Fahrzeug verbraucht, desto höher fällt die Kennzahl aus. Zudem kündigten Hyundai und Kia damals an, den betroffenen Neuwagenkäufern Entschädigungen zahlen zu wollen.

"Hyundai hat transparent gehandelt, die betroffenen Verbraucher entschädigt und mit der EPA während der Untersuchung zusammengearbeitet", erklärte der Chef von Hyundai Amerika, David Zuchowski, nun.

Die Hyundai-Motor-Gruppe ist der fünftgrößte Autohersteller weltweit. Im vergangenen Jahrzehnt hat der Konzern seinen Marktanteil im US-Neuwagenmarkt deutlich gesteigert. Besonders stark legten Hyundai und Kia während der Krisenjahr 2008 bis 2010 zu, als die US-Konsumenten vor allem spritsparende und vergleichsweise günstige Autos nachfragten.

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