Donnerstag, 21. Februar 2019

Ein Verein nimmt Autobauer und Politik in die Mangel Klein, aber schlagkräftig - so tickt die Deutsche Umwelthilfe

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe

2. Teil: Kritiker sehen in DUH einen "Abmahnverein"

DUH-Gegner stoßen sich noch an einem weiteren Finanzdetail: Der Umweltverein finanziert sich zu einem guten Teil aus Abmahngebühren. Anerkannte Verbraucherschutzverbände erhalten solche Gebühren von Unternehmen, wenn sie ihnen einen Verstoß gegen Umweltvorschriften nachweisen.

Die DUH betreibt solche Klagen mit System. Sieben Mitarbeiter durchforsten bundesweit Werbeaussagen und Angebote von Unternehmen auf mögliche Verstöße. Jedes Jahr führt der Verein insgesamt rund 1500 Verfahren verschiedener Art, mehr als 1000 davon werden außergerichtlich beigelegt.

Mit Abmahnungen und Konventionalstrafen nimmt die Umwelthilfe jedes Jahr Millionen ein - 2016 waren es 2,46 Millionen Euro, also ein gutes Drittel des Gesamtbudgets.

Vorwürfe, das dies unsauber sei, hält DUH-Chef Resch für unberechtigt. Die Umwelthilfe sei parteipolitisch unabhängig, als gemeinnützig anerkannt und ein zur Durchsetzung von Verbraucher- und Umweltinteressen klageberechtigter Verein. Er nehme eine öffentliche Aufgabe wahr. Die Kosten der Verfahren und der Tests sowie die von der DUH durchgeführte Verbraucherberatung zehrten die Einnahmen aus Abmahngebühren und die im Wiederholungsfall zu zahlenden Vertragsstrafen auf.

Seit 2007 kämpft DUH gegen Stickoxid-Belastung

Öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Aktionen erhält die Umwelthilfe seit über 30 Jahren. In den 1980er Jahren machte sie bei der Durchsetzung des Katalysators für Benzin-Pkw von sich reden. Ende der 1990er Jahre folgte eine Kampagne für die Einführung schwefelarmer Kraftstoffe, später setzte sich die DUH für den Partikelfilter ein.

"Seit 2007 machen wir auf die bis heute ungelösten Probleme beim Dieselabgasgift Stickoxid aufmerksam", sagt Resch. Doch erst durch die Aufdeckung des Dieselskandals bei VW durch die amerikanischen Umweltbehörden vor zwei Jahren sei dadurch eine öffentliche Debatte entstanden.

Die Darstellung der DUH, dass in Deutschland 12.8000 Personen jährlich vorzeitig sterben wegen der Stickstoffdioxid-Belastung in der Luft, halten Kritiker jedoch für manipulativ. Der Wert könne gerade mal eine grobe Schätzung sein, und an Stickstoffoxiden alleine sei noch niemand gestorben, halten sie ihm entgegen.

In diesem Tonfall wird der Kampf zwischen der DUH und der Autoindustrie wohl weitergehen. Denn Resch ist keiner, der klein beigibt - auch bei großen Gegnern.

mit Material von Reuters, AFP, dpa

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