Mittwoch, 27. Juli 2016

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Stromversorger bremsen BMW i3 "Die Ladesäule, an der Sie stehen, gibt es gar nicht"

Stromtankstelle verzweifelt gesucht: Leiden statt Laden
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Ein Wochenende mit dem BMW i3 in Hamburg: Was als elektromobiles Erweckungserlebnis geplant war, endet als Odyssee. Schuld ist nicht das beeindruckende Fahrzeug, sondern die Ignoranz der Stromversorger. Protokoll eines kollektiven Versagens.

Hamburg - Alles fängt so gut an. Lautlos gleitet der BMW i3 aus dem weißen Lastwagen, der ihn nach Hamburg gebracht hat. Die orangefarbene Carbonkarosserie glänzt im Sonnenlicht. Die knuffige, beinahe kugelartige Form lockt gleich Passanten an. "Ist das Eurer?", fragen zwei Handwerker.

Für die Neugier gibt es gute Gründe. Der BMW i3 ist das erste moderne Serienfahrzeug aus deutscher Produktion, das konsequent als Elektroauto konzipiert ist - ein Stück automobiler Zeitgeschichte. Der Wagen schwebt souverän durch die Stadt und vermittelt dem Fahrer jederzeit das Gefühl, technisch und - je nach Geschmack - ästhetisch weit vorn dabei zu sein.

Umso ärgerlicher, dass dem Fahrer im weiteren Verlauf der Testfahrt zunehmend Mitleid zuteil wurde. Das hat wenig mit dem Wagen selbst zu tun, als mit den beschämenden Situationen, in die geraten kann, wer das Auto mit Strom betanken möchte. Dieses Unterfagen stellte sich als nahezu unmöglich heraus, und das ausgerechnet in Hamburg - einer Stadt, die der Elektromobilität offiziell einen hohen Stellenwert beimisst.

"Der Vorgang dauert etwa zehn Tage"

Teil eins der Odyssee beginnt am Tag vor der Testfahrt mit dem Versuch, eine Ladekarte der örtlichen Versorger Vattenfall und Hamburg Energie für deren Stromtankstellen zu bekommen. "Tut mir leid, dieser Vorgang dauert etwa zehn Tage", heißt es bei beiden am Telefon.

Zehn Tage? Was macht ein Auswärtiger, der mit seinem Elektroauto spontan ein Wochenende an der Elbe verbringen möchte oder auf der Durchreise ist? Die Säulen der wichtigsten Autostrom-Anbieter kann er jedenfalls nicht nutzen.

Bleiben Eon Börsen-Chart zeigen und RWE Börsen-Chart zeigen. Eon betreibt laut dem Portal "Plug Finder" eine Säule in Hamburg, RWE etwa zehn. Bei Eon heißt es am Telefon, alle erforderlichen Informationen zum Laden seien an der Säule vermerkt. Näheres kann die Mitarbeiterin nicht sagen, die Unterlagen befänden sich "ganz weit unten in meinem Stapel".

RWE verspricht auf seiner Homepage, Autofahrer könnten den Strom per SMS bezahlen. Mit knapp vier Euro pro Stunde ist das nicht billig - für das Geld gibt es maximal elf Kilowattstunden Strom - doch scheint das die Rettung zu sein.

Auch für die Vattenfall-Säulen gibt es plötzlich noch Hoffnung: Nach einem Hilferuf stellt die Hamburger BMW-Niederlassung eine Probe-Ladekarte zur Verfügung.

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