Sonntag, 19. August 2018

Firmenauto-Experte im Interview "Ein SUV als Dienstwagen ist heute kein Problem mehr"

Was "Gelände" ist, ist relativ: Offroadtauglichkeit ist kein Ausschlusskriterium für einen Dienstwagen

Mein Job, mein Gehalt, mein Dienstwagen: Die Freude der Deutschen an ihren Firmenautos ist ungebrochen, sagt Fuhrpark-Experte Sebastian Fruth vom Leasinganbieter Arval im Interview mit manager magazin. Der immergleiche schwarze Kombi soll es allerdings nicht mehr so häufig sein. Es wächst der Wunsch nach individuellen Fahrzeugen - genauso wie der Kontrolldrang der Chefs.

mm: Herr Fruth, Diesel und Benzin sind billig - das weckt die Lust nach starken Autos. Verlangen die Firmen von ihren Mitarbeiter dennoch, dass sie sparsame Fahrzeuge als Dienstwagen aussuchen?

Zur Person
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    Stefan Obermeier
    Sebastian Fruth ist Vertriebschef des Leasinganbieters Arval Deutschland. Für das aktuelle Fuhrpark-Barometer hat das Unternehmen 4557 Flottenmanager über neue Trends befragt.
Fruth: Der aktuelle Spritpreis interessiert die Unternehmen bei ihrer Flottenplanung wenig. Er gilt eher als vorübergehendes Phänomen. Autos, die wenig verbrauchen, stehen bei Fuhrparkmanagern immer noch hoch im Kurs.

mm: Wenn ich den immergleichen schwarzen Kombi durch einen SUV oder einen Geländewagen ersetzen möchte, sollte ich diesen Wunsch also besser nicht äußern?

Fruth: Das kommt auf die Regeln der einzelnen Firma an. Generell ist ein SUV als Dienstwagen heute aber kein Problem mehr. Diese Autos haben enorme Fortschritte gemacht. Statt wie früher zehn Liter verbrauchen viele Wagen eher sechs oder fünf Liter Sprit auf 100 Kilometern. Gleichzeitig erweitert diese Kategorie die Wahlmöglichkeiten erheblich. Die Wagen sind deshalb zunehmend gefragt. Ihre Fahrer können sich von der Masse der klassischen Familienkutschen abheben.

mm: Hat der Dienstwagen überhaupt noch denselben Status wie früher? Überall ist zu lesen, dass das eigene Auto an Bedeutung verliert.

Fruth: Die Attraktivität der Firmenwagen ist ungebrochen, allein aufgrund der steuerlichen Vorteile. Sie müssen im Allgemeinen schon deutlich mehr als 100 Kilometer den einfachen Weg mit dem Wagen zur Arbeit pendeln, damit Sie über die Pendlerpauschale besser abschneiden.

mm: Die große Freiheit, die ein privat nutzbarer Dienstwagen bietet, steht aber immer wieder auch in der Kritik. Es gibt praktisch keinen Anreiz zum Sparen und zum vernünftigen Fahren - den Sprit zahlt ja ohnehin der Arbeitgeber.

Fruth: Den Unternehmen fällt durchaus auf, wenn ein Angestellter ständig mit Vollgas unterwegs ist. Neue Apps und Telematik ermöglichen es dem Arbeitgeber zunehmend das Fahrverhalten der Mitarbeiter zu erfassen. Und immer häufiger belohnen Firmen diejenigen, die vernünftig fahren. Strafen für Bleifüße gibt es allerdings fast nie.

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mm: Bricht daher nun der große Kontrollwahn aus? Spricht der Chef seinen Außendienstler bald auf den kleinen Umweg zum Factory-Outlet-Center an, den er am Tag zuvor auf dem Weg zum Kunden gemacht hat?

Fruth: Bei Fahrern von ausschließlich dienstlich zu nutzenden Fahrzeugen ist das nicht auszuschließen. Die Geodaten von Firmenautos, die auch privat genutzt werden dürfen, werden nicht überwacht. Das verhindern datenschutzrechtliche Bestimmungen und vielerorts der Betriebsrat.

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